Duisburg: Vorteil der Salamitaktik
zuletzt aktualisiert: 08.01.2007Duisburg (RPO). Ute Saalmann, Leiterin des Kulturbüros und Hausherrin im Theater, über Besucherzahlen, Marketingstrategien und jahrelange Reparaturarbeiten bei laufendem Spielbetrieb.
Ute Saalmann stellt sich nicht gerne in den Vordergrund. Dabei hat sie als „Leiterin Kulturbüro und Theater“ eine Schlüsselposition im Kulturleben der Stadt inne. Sie ist zuständig für alle verwaltungs- und finanztechnischen Bereiche im Duisburger Kulturleben, mit Ausnahme der Stadtbibliothek und der Volkshochschule, für die Dr. Jan-Pieter Barbian und Dr. Gerd Jahn zuständig sind. Mit Ute Saalmann sprach Redakteur Peter Klucken.
Können Sie mit einem Satz Ihr Aufgabenfeld skizzieren?
Saalmann Ich kümmere mich um die Rahmenbedingungen bei der institutionalisierten und projektgebundenen Kulturförderung.
Und was kann das konkret beispielsweise bedeuten?
Saalmann Das umfasst Projekte der freien Kulturschaffenden, für die der Kulturbeirat eine Förderung beschließt. Dazu können Ausstellungen Duisburger Künstler ebenso gehören wie die Aufführung von neuen Kindertheaterstücken. Im institutionellen Bereich geht es häufig um Zuschüsse und Begleitung, die festen Einrichtungen gewährt werden. Dazu gehören beispielsweise die cubus-Kunsthalle, die Kulturzentrale HundertMeister, das Reibekuchentheater oder auch der Kulturbunker in Bruckhausen. Hinzu kommen noch die Künstler-Atelierhäuser.
Was sind Ihre Aufgaben als Hausherrin des Theaters?
Saalmann Kurz gesagt: das Theater muss spielfertig sein, die personellen und technischen Rahmenbedingungen müssen stimmen.
Dazu gehörte wohl auch die Beseitigung der Tornadoschäden vor einigen Jahren?
Saalmann Ja, richtig. Das beinhaltete sogar, dass ich an dem besagten späten Sommerabend Mitglied einer Wasserkette war, um noch größere Schäden am Theater zu vermeiden. Die Hauptarbeit bestand später darin, die Reparaturarbeiten und den laufenden Spielbetrieb aufeinander abzustimmen.
Vermutlich hat niemand einen so detaillierten Einblick in die mit dem Theater verbundenen Finanzen wie Sie. Wo hapert es denn am meisten?
Saalmann Seit Jahren wurde der Etat für das Theater nicht erhöht, obwohl es anderenorts überall Preiserhöhungen gab und gibt. Das müssen wir auffangen.
Und wie?
Saalmann Da sind Ideen und Kreativität gefragt. Am schönsten ist es, wenn wir Firmen eine Bühnenführung für deren Mitarbeiter anbieten, und die Firma ihre Leistungen besonders günstig erbringt. Natürlich versuchen wir auch Sponsoren zu gewinnen. Im Schauspielbereich machen das Theaterfachmann Michael Steindl und ich gemeinsam. Überhaupt wird hier im Theater Teamarbeit großgeschrieben.
Was sagen Sie zu den Besucherzahlen?
Saalmann Das Theater wird gut angenommen. Das kann man ohne falschen Stolz behaupten. Im Schauspielbereich setzen wir uns alle zwei Wochen zusammen, um uns über den Kartenverkauf zu informieren und gegebenenfalls Maßnahmen zu ergreifen, das Publikumsinteresse weiter zu fördern. In der vergangenen Spielzeit konnten wir uns im Schauspielbereich über eine 15-prozentige Steigerung beim Kartenverkauf freuen. In diesem Jahr müssen wir allerdings noch „kämpfen“. Besonders freue ich mich, dass die Nachfrage nach der jüngsten Produktion unseres Schauspiel-Jugendclubs, Emilia Galotti, sehr groß ist.
Welche Möglichkeiten haben Sie, die Kartennachfrage zu steigern?
Saalmann Da ist Fleiß und Einfallsreichtum gefragt. Ich lege im Übrigen Wert darauf, dass man die Wirkung von Marketingmaßnahmen kontrollieren kann. Wir müssen darauf achten, dass die Ausgaben für das Marketing in einer vernünftigen Relation zum Erfolg stehen. Allerdings muss man dazu oft einen langen Atem haben.
Apropos langer Atem: Das Theater wird seit 1999 renoviert beziehungsweise auf einen neuen technischen Stand gebracht. Warum geschah das nicht in einem Rutsch?
Saalmann Zum einen aus finanztechnischen Gründen. In einer armen Stadt wie Duisburg muss man solche Ausgaben über Jahre strecken; in Düsseldorf vielleicht nicht. Aber unabhängig vom Geld halte ich unsere Vorgehensweise für richtig: Unsere „Salamitaktik“ hat den Vorteil, dass die Spielzeit nicht zu lange unterbrochen wird und der Kontakt zum Publikum bestehen bleibt. Das ist wichtig, obwohl man sich viel einfallen lassen muss, damit Künstler und Bauarbeiter sich nicht zu stark in die Quere kommen.
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