Duisburg: Warnung vor dem Flächenwahn
VON MIKE MICHEL - zuletzt aktualisiert: 27.02.2010Duisburg (RPO). Der Einzelhandelsverband Niederrhein zieht eine positive Bilanz für 2009 und kritisiert das neue Zentrenkonzept für Duisburg: 190 000 Quadratmeter zusätzliche Verkaufsfläche gehe an den tatsächlichen Entwicklungen vorbei.
Umfrage
Bei der jüngsten Umfrage des Verbandes erklärten über 60 Prozent der befragten Händler, sie hätten ein leichtes Umsatzplus erzielen können. 38,5 Prozent berichteten von einem Umsatzrückgang. 67 Prozent gehen mit Optimismus ins Jahr 2010. 15,4 Prozent wollen 2010 noch mehr ausbilden als bisher.
Hat Duisburg genug Einzelhandelsgeschäfte? Oder sind weitere 193 000 Quadratmeter Verkaufsfläche, wie sie ein gerade neu vorgelegtes "Einzelhandels- und Zentrenkonzept für die Stadt Duisburg" bis 2019 als möglich erachtet, zu viel des Guten? Der Einzelhandelsverband hat dem eine klare Absage erteilt. "Ich möchte gerne wissen, was hierzu Sir Norman Foster sagt", meinte der Vorsitzende des Einzelhandelsverbandes Alfred Walzer. Duisburg habe schon heute mit 1,46 Quadratmetern mehr Verkehrsfläche pro Einwohner als im Bundesdurchschnitt (1,45 Quadratmeter). Im Zeitraum von 2001 bis 2008 sei die Fläche in Duisburg um insgesamt 120 000 Quadratmeter gestiegen – und das verteilt auf alle Stadtbezirke.
"Duisburg muss jetzt auf Qualität anstatt auf Quantität setzen. Dazu gehört sicher die Königsgalerie und das Stadtfenster", meinte Hauptgeschäftsführer Wilhelm Bommann. Kritisch sieht man beim Verband insbesondere die Pläne für ein Factory Outlet Center in Marxloh und für ein Einrichtungshaus auf dem künftigen Gelände der Duisburger Freiheit.
Auswirkungen auf die City
"Sollte das Outlet Center tatsächlich 45 000 Quadratmeter Verkaufsfläche und 120 Shops bekommen, müssen wir die Zentren- und Stadtteilschädlichkeit genau prüfen", so Bommann. Das gelte auch für ein Möbelhaus am Südzipfel des Güterbahnhofsgeländes. "Bei einer Größe von 70 000 Quadratmetern Verkaufsfläche würde es nicht bei Möbeln bleiben. Jeder weiß, dass heutzutage dann auch Dekoartikel, Accessoires, Einrichtungsgegenstände und andere Waren angeboten werden." Ob dies negative Auswirkungen auf den Handel in der Innenstadt haben könnte, sei nicht ausgeschlossen. Die Duisburger Freiheit sei einfach zu schade als Möbelstandort.
Erwartungsgemäß kritisch steht der Verband auch einer Parkgebührenerhöhung gegenüber. "Parkgebühren mit Augenmaß und nicht aus dem reinen Grund, der Stadt Einnahmen zu verschaffen – das ist unser Leitmotiv", so Walzer. Dies habe der Verband auch in einem Brief an Oberbürgermeister Adolf Sauerland zum Ausdruck gebracht. Darüber hinaus fordert der Einzelhandelsverband standortbezogene Kernöffnungszeiten. Bei verkaufsoffenen Sonntagen – vier pro Jahr sind zulässig – sieht der Verband keinen Änderungsbedarf.
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