Duisburg: Was ist schon normal?
VON MIKE MICHEL - zuletzt aktualisiert: 01.03.2007Duisburg (RPO). Im Theater ist nichts und nie etwas normal. Schon das ist für Dr. Dietmar N. Schmidt, den künstlerischen Berater des Theatertreffens im Rahmen der 30. Duisburger Akzente Grund genug, das Festvial unter das Leitmotiv „Normal“ zu stellen. „Die Zahl der Produktionen ist schmal, die Größe der einzelnen Aufführungen natürlich nicht“, so Schmidt. In der Zeit vom 6. bis 28. Mai dürfen sich Schauspielfreunde auf wesentliche Erscheinungsformen des deutschen Theaters, Klassiker aus heutiger Sicht, bedeutende Ensembles, Schauspieler und Regisseure freuen.
Zu den renommierten Gastspielensembles gehören auch die Münchner Kammerspiele, das Schauspielhaus Zürich und die Schaubühne am Lehniner Platz Berlin. Schmidts Favorit ist das Schauspiel „Der Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza in der Regie von Jürgen Gosch. Die Inszenierung des Schauspielhauses Zürich macht die Ausbrüche aus der Kultiviertheit des Durchschnittsmenschen zum Thema und scheut dabei auch vor radikale Brüchen nicht zurück. Zwei Ehepaare wollen sich über ihre raufenden Jungen unterhalten. „Das geht völlig daneben und endet in einer Sauerei“, so Schmidt. Man darf gespannt sein.
Trivial und doch ergreifend
Katharina Schubert und Stephan Bissmeier von den Münchner Kammerspielen wollen die Zuschauer im Schauspiel „Trauer muss Elektra tragen“ mit Formen der Trivialkunst konfrontieren. „Irgendwann denkt man: Das ist doch alles Soap. Das ist doch ’Dallas’ und ’Vom Winde verweht’.“ Ergreifend, so Schmidt, sei der Monolog von Katharina Schubert: „Da nicht zu heulen, ist schon schwer.“
Auch eine Premiere wird es bei den Akzenten geben. Regisseur Roberto Ciulli hat „Der Hofmeister“ von Jakob Reinhold Michael Lenz neu inszeniert. Die Koproduktion mit dem Theater an der Ruhr und dem Theater Duisburg wird sicher eines der Highlights sein.
Michael Steindl, Leiter des Schauspiels am Duisburger Theater, wies auf die Aufführungen im Foyer III hin, unter anderem auf die deutschsprachige Erstaufführung von Richard Nelsons „Where I come from“. Zum ersten Mal soll es auch ein „Theater-Café geben, das den Festival-Charakter der Akzente betonen soll. Dazu gibt es auch „Festival-Pässe“, die Aufführungen, Empfänge und Theater-Cafés einschließen. Der Vorverkauf hat bereits begonnen.
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