Duisburg: Was Timm beschäftigt
VON STEFAN OSSENBERG - zuletzt aktualisiert: 21.05.2008Duisburg (RPO). In der Zentralbibliothek sind Stuhlreihen aufgestellt. Jeder Platz ist besetzt. Zusätzliche Stühle müssen fünf Minuten vor Veranstaltungsbeginn hereingetragen werden. Direkt zwischen den Buchreihen „Sport“ und „Geografie“ steht ein Podium. Uwe Timm betritt die Bühne. Zu den diesjährigen Duisburger Akzenten las der bekannte Schriftsteller am Montagabend aus seinem jüngsten Roman „Der Freund und der Fremde“.
Als Mosaiktechnik bezeichnet er seine literarische Arbeitsweise. „Ich bin ein Schriftsteller, der immer wieder schreibt, umschreibt, schreibt.“ Von seinem im Herbst erscheinenden Roman gibt es 15 Entwürfe. Doch gerade das Aneinandersetzen, das Durchmischen von Versatzstücken, Zitaten und Erlebnissen macht Timm literarisch so besonders. 60 Minuten lang gab er Erlebnisse seiner Schulzeit preis. Er, der ehemalige Kürschnerlehrling, holte sein Abitur auf einem College nach und traf dort auf Benno Ohnesorg. Schnell wurden die beiden Freunde, merkten, dass sie beide schreiben wollten.
In fließender, ausschweifender Sprache liest Timm vor. Er erschafft Welten, in die sich Zuhörer verlieren und gleichzeitig wiederfinden können. Detailgenau, auf den Punkt gebracht. Erst jetzt, nach knapp 40 Jahren, hat er es geschafft, die Freundschaft zu Ohnesorg, dem zum Märtyrer der 68er gewordenen Studenten, schriftlich in Worte zu fassen. „Trauern war damals nicht möglich“, zu groß sei seine Empörung über dessen gewaltsamen Tod gewesen.
„Der Freund und der Fremde“ ist allerdings weniger eine allgemeine Zustandsbeschreibung der Lebenswelt Jugendlicher und ihres Wissensdurstes in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Sondern das Buch ist noch viel mehr ein Rückblick auf das Leben von Uwe Timm selbst .
„Was uns beschäftigt“ ist das Motto der Duisburger Akzente. Was Timm beschäftigt, dass weiß man nun.
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