Duisburg: Wasserpest legt den See lahm
VON SINA ZEHRFELD - zuletzt aktualisiert: 02.07.2009Duisburg (RPO). Die Wasserpflanze "Wasserpest" im Toeppersee ist eine Plage: Boote bleiben stecken, für Schwimmer kann es lebensgefährlich werden. Auf Dauer droht dem Gewässer die ökologische Katastrophe. Konkrete Pläne, um die Situation in den Griff zu bekommen, gibt es nicht.
Rheinhausen Unter erhabenen grünen Teppichen auf der Wasseroberfläche wuchern ganze Unterwasserwälder. Die "Wasserpest" wird ihrem Namen gerecht: Die Pflanze hat den Toeppersee erobert. Sie wächst in langen, mit kleinen Blättchen besetzten Ranken vom Seeboden aus nach oben. Jedes abgetrennte Pflanzenstück kann sich weiter entwickeln, und das rasend schnell.
Siegfried Kaletta rückt dem Grünzeug mit der Metallsäge zu Leibe. Seit beinahe 50 Jahren betreiben er und seine Frau den kleinen Bootsverleih am See.
Dicke Büschel an den Motoren
Das Gestrüpp wickelt sich bei der Fahrt um die Schrauben seiner Elektro-Boote; in dicken Büscheln hängt es hinter den Motoren, wenn sie zurückgebracht werden. "Seit einer Woche ist es schlimm", sagt er, während er die Krautballen vom Antrieb säbelt und ganze Haufen davon auf seinen Bootssteg türmt, "und das wird jetzt noch schlimmer bis August." Hinter der zweiten Insel ist der See völlig zugewachsen. Wer dort ahnungslos hinsteuert, bleibt mit etwas Pech einfach stecken: "Das Boot wird immer langsamer, dann leidet der Motor, weil er auf der Stelle dreht." Vor einigen Tagen erst musste Kaletta einen Fahrer wieder freischleppen.
Lösungsansätze
Die Stadt lässt gutachterlich prüfen, wie der Wasserpest beizukommen ist. Im Raum stehen mehrere Ansätze wie:
Ausbaggern Beseitigt die Pflanzen, wühlt aber den See auf.
"Abmähen" Die Pflanzen werden maschinell abgeschnitten. Das ist technisch schwierig, teuer, keine dauerhafte Lösung.
Graskarpfen Die Fische könnten die Pflanzen abfressen, würden laut Angelverein aber anderen Pflanzen schaden und gehören nicht ins Ökosystem.
Die Pflanze gedeiht besonders gut in der Sommerwärme. Zum ernsthaften ökologischen Problem wird die Lage spätestens im Herbst: Wenn es kalt wird, sterben die Ranken ab und sinken auf den Seeboden. Das verrottende Material überdüngt das Gewässer – der See droht "umzukippen" und zu sterben.
Vorerst bleiben Segelboote in den grünen Teppichen liegen wie bei Flaute. Bei der jüngsten Regatta der Wassersportgemeinschaft Rumeln-Kaldenhausen (WRK) wurde das in Führung befindliche Boot kurz vorm Ziel abgebremst und überrundet. "Regattasport können wir in diesem Jahr vergessen, wenn das so weitergeht", stellt Sprecher Jan Rohpeter fest. "Probleme haben wir seit Jahren, aber in diesem Sommer ist es ganz extrem."
Das macht auch Anglern schwer zu schaffen. "Vom Ufer aus ist das Angeln teilweise unmöglich. Man verfängt sich dauernd, man hängt fest und kriegt die Angel nicht mehr raus", beschreibt Rainer Lambert, Vorsitzender der IG Angelfreunde Rheinhausen. Ein Zustand, der ihn langsam ärgert: "Wir bezahlen der Stadt viel Geld als Pacht. Im Moment ist die Situation schwer erträglich."
Ernste Gefahr für Badende
Und der Dschungel in der Tiefe sei nicht nur lästig, sondern ein Risiko. Das Baden ist im Toeppersee nicht erlaubt, trotzdem suchen immer wieder gerade junge Menschen Abkühlung im Wasser. "Für ungeübte Schwimmer ist das lebensgefährlich", warnt Lambert: "Die geraten da rein, verfangen sich, werden panisch und kommen nicht mehr raus."
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