Duisburg: Weil die Bluse knittert . . .
VON PETER KORTE - zuletzt aktualisiert: 12.09.2008Duisburg (RPO). Bei einer Schwerpunktaktion gestern im Duisburger Stadtgebiet war die Polizei den Gurtmuffeln auf der Spur. Schockvideos sollten den nicht angeschnallten Autofahrern zeigen, in welcher Gefahr sie sich befinden.
„Wird Marxloh mal wieder durch den Dreck gezogen?“ Sagte vernehmlich gestern morgen eine Passantin, als sie an der Ecke Weseler Straße / Marienstraße an einer kleinen Gruppe Polizisten vorbeiging. Im Gegenteil, die Beamten waren im Einsatz, um Marxloher und andere Autofahrer vor Schaden zu bewahren. Der leicht ihnen widerfahren kann, wenn sie nicht angeschnallt in einen Unfall verwickelt werden.
Die Schwerpunktaktion gestern fand im ganzen Stadtgebiet statt, und wer „ohne Gurt“ erwischt wurde, bei dem waren 30 Euro fällig. Aber natürlich stand nicht das Verwarngeld im Vordergrund, vielmehr versuchten die Polizeibeamten den Verkehrsteilnehmern klar zu machen, welche Verletzungen sie auch schon bei Unfällen mit niedriger Geschwindigkeit erleiden können.
Verletzte Kinder
15 100 Verkehrsunfälle mit 1804 Verletzten und acht Toten ereigneten sich 2007 in Duisburg.
207 Kinder unter 15 Jahren erlitten hierbei Verletzungen, darunter 45 Mädchen und Jungen als Mitfahrer in einem Auto. Die Polizei geht davon aus, dass ein Großteil dieser verletzten Kinder nicht angeschnallt war.
Schon bei einem Aufprall ab zehn Stundenkilometer können sich nicht angeschnallte Fahrzeuginsassen Verletzungen zuziehen.
Um das drastischer an den Mann oder die Frau zu bringen, konnten sich ertappte Verkehrssünder ein Schockvideo in einem Streifenwagen anschauen. Auf diesem wurde deutlich, welche Kräfte bei Unfällen auf Fahrer und Beifahrer einwirken – bei höheren Geschwindigkeiten durchaus mit Todesfolge.
30 Euro Verwarngeld
Doch nicht jeder Ertappte hatte Interesse an dem Video. Überhaupt waren die Ausreden mannigfaltig, warum man sich nicht angeschnallt hatte: „Ich bin gerade erst losgefahren!“ oder „Ich fahre doch nur ein kurzes Stück!“ Geradezu ungehalten war eine jüngere Frau, in deren Auto der Beifahrer nicht angeschnallt war. Auch für ihn wurde das Verwarngeld fällig. „Der hat kein Geld, und wenn er die 30 Euro bezahlen muss, geht er dafür klauen“, versuchte die Frau darzulegen. Auch das zog nicht, die Beamten beharrten auf dem Verwarngeld.
Einsichtiger war da schon eine andere junge Frau, die nicht nur das Portemonnaie zückte, sondern sich auch das Schockvideo mit drei Toten anschaute. „Das habe ich mir nicht so drastisch vorgestellt“, meinte sie betroffen und gab unumwunden zu, sich „nicht immer“ anzuschnallen.
„Die Akzeptanz der Anschnallpflicht lässt nach“, sagte Polizeihauptkommissar Frank Müller, Leiter der Kontrollstelle in Marxloh. Deshalb müsse auch über das Portemonnaie nachgeholfen werden. Schließlich gebe es keine Entschuldigung, ohne Gurt zu fahren.
Leichtsinnige junge Leute
„Pflügen, säen, ernten“, das ist das, war die beiden Polizeihauptkommissare Rolf Holz und Volker Groß sowie weitere Kolleginnen und Kollegen von der Verkehrssicherheitsberatung Tag für Tag „predigen“. Unter anderem in Schulen und Kindergärten. Gerade junge Leute seien oft leichtsinnig, meinte Polizeihauptkommissar Rolf Holz, der gestern im Polizeiwagen an der Marienstraße die Videos vorführte. Oft glaubten sie gar nicht, dass auch ihnen etwas zustoßen könne. Selbst die richtige Sitzposition für Fahrer und Beifahrer müsse erklärt werden, damit die Fahrzeuginsassen bei einem Aufprall durch Gurte und Airbags auch optimal geschützt würden.
Vor den Kindergärten werden vor allem die Mütter angesprochen, die ihre Sprösslinge mit dem Auto bringen und abholen. Oft sei es so, dass die Kinder selbst angeschnallt seien, die Mütter aber nicht, „weil ich auf den letzten Drücker war!“ Auch in einem solchen Fall wird selbstverständlich das Verwarngeld fällig, genauso wie bei der Frau, die deshalb den Gurt nicht anlegte, „weil meine Bluse nicht verknittern darf!“
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