Duisburg: Wellle schwappt auf Ärger zu
VON SONJA BROWATZKI - zuletzt aktualisiert: 27.02.2010Duisburg (RPO). Das Zirkusprojekt "Wellle" vereint Friemersheim in kreativer Begeisterung: Es herrscht Aufbruchsstimmung. Allerdings soll sich auch die Forensik durch die Arbeit ihrer Insassen beteiligen. Das ruft Kritiker auf den Plan.
Friemersheim Die "Friemersheimer Wellle" ist ein Projekt, bei dem tatsächlich der ganzeOrtsteil zusammenrückt. Schon jetzt haben sich innerhalb von einer Woche über dreißig ehrenamtliche Helfer gemeldet, die das geplante Zirkusprojekt entweder durch Arbeit, Sachspenden oder finanziell unterstützen wollen. Insgesamt soll die "Wellle" über 500 Kinder, Jugendliche und Erwachsene erreichen, vielleicht auch noch mehr.
"Ich bin mir sicher, dass bei uns jeder seinen Platz und seine Aufgabe finden wird", sagt Tanja Heidtmann vom Kinderheim St. Josef – zuversichtlich, für jedes Kind das passende Projekt und für jeden Helfer den richtigen Ort zum Anpacken zu finden.
Benefiz-Dessert geplant
Das Gasthaus Brendel will ab 1. April ein "Wellle Dessert" anbieten und die Hälfte des Kaufpreises an das Zirkusprojekt spenden. Ende April soll es ein Benefizessens geben. Die Aktion "Friemersheim rundet auf" hat sich die Interessengemeinschaft Friemersheim ausgedacht: Jeder kann auf Handwerkerrechnungen oder Einkäufe freiwillig Geld aufschlagen, das dann in die "Wellle"-Finanzierung fließt.
Integrative Kraft
Wie weit diese integrative Kraft gehen soll, die durch das Projekt frei gesetzt worden ist, könnte einigen jedoch zu weit gehen. Denn durch die Vermittlung von Pfarrer Thomas Gregorius entstand der Kontakt, auch die Forensik mit in die Arbeiten einzubeziehen. Die Insassen könnten etwa Druckerei-Arbeiten fertigen oder in ihren Werkstätten Kulissen herstellen. Das hat die Forensikleitung bereits zugesagt.
"Auch die Forensik ist Teil dieses Stadtteiles, und wir können die Augen nicht davor verschließen. Also, warum sollten wir sie nicht helfen lassen, wenn sie es anbieten", entgegnet Tanja Heidtmann auf die Frage, warum die Arbeit psychisch kranker Straftäter ausgerechnet in ein Kinderprojekt eingebunden werden soll. Auch gegen die Außenwohngruppen des Jugendheimes hätten Anwohner zu Beginn heftig protestiert, um dann später festzustellen, dass sie falschen Vorurteilen erlegen seien, so Heidtmanns Erfahrung.
Kritiker meinen, dass die Situation um die Forensik verharmlost würde, wenn man sie in einem Atemzug mit einem Kinderprojekt nenne. Bei den "Wellle"-Organisatoren weckt das Sorge: "Wir wollen nicht in einer Debatte um die Forensik instrumentalisiert werden", stellen sie klar.
Viele Schultern bei Finanzierung
Die Zirkusaktion wird nicht durch einen einzelnen Träger finanziert. Das Konzept beinhalte viele verschiedene Ansätze, wie "Wellle"-Geschäftsführer Wolfgang Riehn erklärte. "Jeder versucht etwas beizusteuern, was er kann. Außerdem wird es mehrere Benefizveranstaltungen geben, über die die Kosten gedeckt werden sollen."
"Wellle" steht für "Werkstatt für Lebenslanges Lernen". Die Abkürzung bezeichnet eine Initiative zur Entwicklungsförderung von Kindern und Jugendlichen.
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