Duisburg: „Widerstand vor Ort angekommen“
VON HANS-ULRICH KRESS - zuletzt aktualisiert: 20.10.2008Duisburg (RPO). Rheinhauser Bürgerinitiative "Saubere Luft" wagte den Blick über den Tellerrand. Diskussion um den Kraftwerksbau im Chemiepark Uerdingen. Bärbel Höhn: „Jetzt neue Kohlkraftwerke zu bauen ist das falsche Signal“.
rheinhausen Den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus wagte die Rheinhauser Bürgerinitiative Saubere Luft. Mit der früheren Nordrhein-Westfälischen Umweltministerin Bärbel Höhn und dem Landesgeschäftsleiter des Bund, Dirk Jansen, hatten Bi-Vorsitzender Norbert Bömer und seine Mitstreiter im Kampf gegen den Kraftwerksneubau im Chemiepark Uerdingen zwei hochkarätige Gesprächspartner zu einer Diskussionsveranstaltung in die Aula des Krupp Gymnasiums eingeladen.
Gefälligkeitsgutachten
„Wir wollen die Gelegenheit nutzen, um zu diskutieren, wie anderswo mit Kraftwerksneubauten umgegangen oder dagegen angekämpft wird, wenn sich Luftverhältnisse weiter verschlechtern. Dies wollen wir klimapolitisch in allen Facetten beleuchten“, erklärte Bömer. „Der Widerstand gegen den Neubau von Kohlekraftwerken ist vor Ort angekommen“, merkte Bärbel Höhn an. Jetzt Kohlekraftwerke neu zu planen und zu bauen, sei allerorts das falsche Signal. „Jedes neue ist eins zu viel“, stellte sie klipp und klar fest. Vor allem wandte sie sich gegen das von den großen Kraftwerksbetreibern immer wieder ins Feld geführte „Angstargument“ einer „Stromlücke“.
Gas zu wertvoll
Um Gas einfach zu verheizen, sei es zu wertvoll, argumentierte Jansen.
Darüber hinaus sei auch beim Betrieb von Kohlekraftwerken eine Abhängigkeit vom Weltmarkt und damit von Importen gegeben.
Diese drohende Lücke werde lediglich durch ein Gutachten gestützt, das sie als Gefälligkeitsgutachten bezeichnete, da es von der Wirtschaft bezahlt worden sei. Mit Blick auf das für Krefeld-Uerdingen geplante Kohlekraftwerk merkte sie an, dass vermutlich in diesem Fall nicht einmal die Argumentation mit neuen und der Sicherung der gegenwärtig im Chemiepark vorhandenen Arbeitsplätzen stimme. Das Kraftwerk, so Höhn, sei so groß dimensioniert, dass hinter dem Projekt vielmehr eine Umnutzung des Chemieparks und damit ein möglicher Rückzug des bisherigen Betreibers zu vermuten sei. Ein den Dimensionen des Chemieparks angepasstes Gaskraftwerk mit Kraft-Wärme-Kopplung würde viel eher Arbeitsplätze sichern.
Mit Betriebsräten sprechen
Darüber gelte es, konstruktiv mit den Betriebsräten vor Ort ins Gespräch zu kommen. Die Argumentationskette des Gaskraftwerks mit angeschlossener Kraft-Wärme-Kopplung Höhns nahm Dirk Jansen als Steilvorlage auf. Zunächst bezeichnete er die Befürchtung als abwegig, durch verstärkten Gaseinsatz zur Energieerzeugung einseitig von Importen abhängig zu werden. Was heute in Haushalten an Gas verheizt werde, werde durch moderne, effiziente Kraft-Wärme-Kopplung eingespart, so dass gar nicht mehr Gas als heute importiert werden müsse.
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