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Gemeinsamer Termin in Duisburg: Wie begegnet Wulff dem Sauerland-Problem?

zuletzt aktualisiert: 12.09.2010 - 15:51

Am Sonntag Abend stehen für Bundespräsident Christian Wulff politisch heikle Termine an. Er wird in der Kraftzentrale des Landschaftsparks Duisburg-Nord erwartet, wo am Abend die "Sinfonie der Tausend" aufgeführt werden soll. Auch der wegen der Loveparade umstrittene OB Adolf Sauerland soll kommen. Auch Ministerpräsidentin Hannelore Kraft wird erwartet.

Nun fragt sich: Kommt es zum Aufeinandertreffen der hochrangigen politischen Würdenträger mit Sauerland? Bisher hatte der die Öffentlichkeit weitgehend gemieden.  Angeblich, um niemanden zu provozieren. Sowohl Wulff als auch Kraft hatten Sauerland nach dem Loveparade-Unglück mehr oder minder deutlich zum Rücktritt aufgefordert. Wie sie nun mit ihm an diesem Termin im Landschaftspark umgehen wollen, bleibt offen. Vieles scheint denkbar. Ein kühler Händedruck, ein intensiver Meinungsaustausch, aber auch ein bewusstes Ignorieren. 

Bei der Veranstaltung sollen 1300 Sänger und Instrumentalisten aus der Metropole Ruhr und von den Duisburger Philharmonikern an der originalgetreuen Rekonstruktion der Uraufführung von Gustav Mahlers achter Sinfonie beteiligt sein. Das Konzert wird exakt zum 100. Jahrestag der Uraufführung des Werks in München stattfinden. Dirigiert wird die Sinfonie den Angaben zufolge von Lorin Maazel, dem zukünftigen Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker. Zu dem Konzert wird außerdem Ruhr.2010-Geschäftsführer Fritz Pleitgen erwartet.

In der Stadtverwaltung lagen schon Wochen vor dem Termin die Nerven blank. Denn zwischen dem Konzertgebäude und dem Ort eines anschließenden Empfangs liegen Gleise. Vor der Loveparade wäre das Staatsoberhaupt einfach durch einen Tunnel gegangen. Allein die Vorstellung soll im Rathaus derartiges Entsetzen ausgelöst haben, dass man eigens für Wulff eine Holzbrücke über die Gleise andachte. Ergebnis: offen.  

Auch sieben Wochen nach dem Unglück auf der Loveparade, bei dem 21 Menschen starben, dauern derweil die Untersuchungen zu den Hintergründen an. Die Beteiligten - Stadt, Veranstalter Lopavent und Polizei - haben die Verantwortung bislang immer wieder von sich geschoben. Personelle Konsequenzen hat es bislang keine gegeben. Die Diskussion um die Verantwortung für Planung und Durchführung der Großveranstaltung am 24. Juli entwickelt sich derweil zu einer wahren Gutachtenschlacht. Die Staatsanwaltschaft kämpft sich mit fünf Staatsanwälten und 83 Ermittlern durch die Aktenberge.

Wer wirklich Schuld hat, ist jedoch auch durch die zahlreichen Gutachten alles andere als geklärt. Die Staatsanwaltschaft wird noch Monate, vielleicht Jahre für ein Ergebnis brauchen, doch die Politik will keinesfalls untätig erscheinen. Bundespolitiker legten Sauerland den Rücktritt nahe, das Thema beschäftigte den Innenausschuss des NRW-Landtags und die Linke forderte kürzlich einen Untersuchungsausschuss. CDU und FDP werfen der Regierung vor, Unterlagen zurückzuhalten und nicht aufzuklären, was diese mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen bestreitet. Im Duisburger Stadtrat führte die Causa Sauerland zum Zerwürfnis bei den Grünen. Derweil ringt der Duisburger "Bürgerkreis Gedenken" um gleich drei geplante Trauer- und Gedenkstätten, eine wurde bereits errichtet.

Adolf Sauerland versucht bei all dem, ein ganz normaler Oberbürgermeister zu sein und nimmt wieder öffentliche Termine wahr. Er "leide entsetzlich", sehe sich aber in der Pflicht, sein Amt weiter auszuüben und so an der Aufklärung der Geschehnisse mitzuwirken, sagt er. Davon konnten ihn bislang weder eine Unterschriftenaktion Duisburger Bürger noch Morddrohungen abbringen. Es bleibt abzuwarten, ob der Stadtrat seiner Amtszeit ein Ende setzt.

Quelle: apd/pst

 
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