Duisburg: Wie die Natur
VON PETER KLUCKEN - zuletzt aktualisiert: 05.05.2009Duisburg (RPO). Als bedeutender Beitrag zum Jahr der Grafik zeigt das Wilhelm-Lehmbruck-Museum ab heute Abend eine Henry-Moore-Ausstellung, bei der das druckgrafische Werk des Künstlers im Mittelpunkt steht.
Der englische Bildhauer und Zeichner Henry Moore (1898 bis 1986) war nach dem Zweiten Weltkrieg der Künstler, der in der Welt, in Europa und besonders auch in Deutschland bei der Suche nach einem Neuanfang Maßstäbe setzte. Auch in Duisburg! Noch vor der Eröffnung des Wilhelm-Lehmbruck-Museums im Jahr 1964 hatte die Stadt Duisburg sieben bedeutende Skulpturen des berühmten Künstlers erworben. Und nun besitzt das Lehmbruck-Museum neben großen und kleineren Skulpturen eine der weltweit größten Grafiksammlungen Henry Moores. Heute Abend, 18.30 Uhr, wird im Lehmbruck-Trakt des Museums eine Ausstellung mit ausgewählter Druckgrafik des Jahrhundert-Künstlers eröffnet.
Rund 70 Radierungen und Lithografien Henry Moores werden gezeigt. Die Kuratorin der Schau, Dr. Marion Bornscheuer, konnte aus einem riesigen Fundus von Blättern wählen, die zur Sammlung des Hauses gehören. Hinter dem Duisburger Moore-Grafik-Schatz steckt eine schöne Geschichte: 1965 reiste Henry Moore in die Stadt Recklinghausen, die eine seiner großen liegenden Großskulpturen erworben hatte. Auf dem Rückweg machte er einen Abstecher nach Duisburg, um das damals noch junge Lehmbruck-Museum zu besichtigen. Vom Museum, das ja auch einige seiner Skulpturen präsentierte, war Moore so angetan, dass er versprach, von jeder zukünftigen Grafik aus seiner Hand jeweils einen Abzug dem Duisburger Museum zu überlassen. Moore hielt sein Versprechen, so dass das Haus nun 469 Moore-Grafiken besitzt. – Den Titel der Duisburger Moore-Ausstellung muss man genau lesen. Er lautet "Wie die Natur" und nicht "nach der Natur". Damit wird Moores Ansatz angedeutet, der nicht bloß kopierend Motive der Natur künstlerisch nachbilden, sondern kreativ mit der Natur umgehen wollte.
Die Duisburger Ausstellung zeigt eine Auswahl von Grafiken, bei denen – schwarzweiß oder farbig – Moores Variationen der liegenden und stehenden Figuren behandelt werden. Gezeigt wird auch der Grafik-Zyklus, den Moore zu Gedichten von Wystan Hugh Auden (1907–1973) geschaffen hat. Allesamt ziemlich düstere, aber vollendete Arbeiten.
Eine eigene Abteilung präsentiert Moores "Elephant Skull Album". Die Witwe des englischen Verhaltensforschers Julian Huxley, der ein Freund Moores war, schenkte dem Künstler 1968 einen Elefantenschädel. Das Präparat war für Moore Ausgangspunkt für eine großartige Grafikserie. Das Lehmbruck-Museum zeigt nicht nur die Elefantenschädel-Radierungen, sondern auch als Leihgabe des Duisburger Zoos das Schädelpräparat eines Waldelefanten. Eine Gegenüberstellung, die mehr als ein Gag ist.
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