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Duisburg: Wie in einer kleinen WG

VON SANDRA KAISER - zuletzt aktualisiert: 02.02.2009

Duisburg (RPO). Seit zwei Jahren leben die Demenzkranken im Seniorenzentrum Lindenallee in unterschiedlichen Wohngruppen zusammen. Die Umstellung auf das so genannte Drei-Welten-Modell hat sich ausgezahlt, sagen die Mitarbeiter. Sie könnten sich jetzt viel gezielter um die Menschen kümmern.

Jürgen Heckers (li.) und Peter Klein haben das Modell auf die speziellen Gegebenheiten des Seniorenzentrums an der Lindenallee zugeschnitten. Körperlicher Kontakt mit den Bewohnern ist ein wichtiges Element.   Foto: RPO
Jürgen Heckers (li.) und Peter Klein haben das Modell auf die speziellen Gegebenheiten des Seniorenzentrums an der Lindenallee zugeschnitten. Körperlicher Kontakt mit den Bewohnern ist ein wichtiges Element. Foto: RPO

rheinhausen Früher gab es nicht selten Konflikte im Seniorenzentrum an der Lindenallee. An Demenz erkrankte Menschen legten sich in fremden Zimmern schlafen oder gar zu einem anderen Bewohner ins Bett. Oft war das Geschrei dann groß. Gegenstände verschwanden. Leute wurden des Diebstahls bezichtigt, obwohl sie gar nichts dafür konnten. Das ist jetzt anders.

Seit Jürgen Heckers und Peter Klein vor genau zwei Jahren das so genannte Drei-Welten-Modell des Schweizers Christoph Held übernommen und speziell auf die besonderen Gegebenheiten des Rheinhauser Seniorenzentrums abgestimmt haben, ist alles friedlich. Kernpunkt des Systems ist, dass die dementen Heimbewohner je nach Krankheitsstadium in drei Kategorien eingeordnet werden. In dem Haus gibt es drei verschiedene Wohnbereiche, in denen sie, wie Jürgen Heckers betont, nun "optimal betreut werden können".

Info

Zum Nachlesen

Wer mehr über das Modell erfahren möchte, dem sei das Taschenbuch von Christoph Held und Doris Ermini-Fünfschilling, "Das demenzgerechte Heim", empfohlen (196 Seiten; Karger Verlag, 2004; ISBN-10 3 805 576 226).

Organisieren Tagesablauf selber

In der "ersten Welt" leben Menschen mit beginnender Demenz. "Sie sind noch relativ fit und von ihren kognitiven Fähigkeiten noch so weit, dass sie viel selbst machen können", erklärt Peter Klein. Die Senioren helfen im Haushalt mit, decken den Tisch, waschen Teller ab, kaufen ein, kochen. "Vier oder fünf Leute machen etwas vor, die anderen tun es ihnen gleich. Das funktioniert sehr gut", betont Klein. Ihm sei wichtig, dass die Menschen, soweit dies noch möglich sei, ein ganz normales Leben führen und das tun könnten, was sie auch zu Hause getan haben. "Sie organisieren ihren Tagesablauf praktisch selbst – wie in einer kleinen WG", sagt Klein.

In der "zweiten Welt" leben die so genannten "Läufer". Das sind diejenigen, die Gegenstände mit sich herum tragen und von hier nach dort verlegen. Menschen, die sich in fremde Betten legen und kein Gespür mehr dafür haben, was Eigentum bedeutet. "Die Leute, die am Anfang der Demenz stehen, haben das aber sehr wohl. Wenn plötzlich Gegenstände fehlten, galten sie als gestohlen. Mehr als einmal gab es eine riesen Aufregung", erklärt Jürgen Heckers.

Die Menschen, bei denen die Demenz schon so weit vorangeschritten sei, dass sie nur noch regungslos um Bett liegen, seien kaum zu beruhigen gewesen, wenn sich ein Bewohner plötzlich zu ihnen gelegt habe. "Jetzt sind alle mobilen Menschen unter sich. Sie können umherwandern, Dinge verlegen. Das macht keinem etwas aus", erklärt Heckers. Und das sei auch das Ziel: Dass man sie einfach gewähren lässt. "Das sind nun mal Symptome ihrer Krankheit", betont Heckers. Es habe keinen Zweck, diese Verhaltensweisen zu unterbinden.

In der "dritten Welt" leben jene Menschen, die sich in der letzten Phase ihrer Krankheit befinden. "Hier ist es wichtig, die Menschen durch Stimulanz zu erreichen", erläutert Peter Klein. Wichtig seien Reize, erzeugt etwa durch Berührungen oder Leuchtkugeln, in denen sich bunte Lichter reflektieren. Oder auch mittels Klangschalen, durch Düfte ätherischer Öle oder Entspannungsmusik aus dem Kassettenrekorder. "Wir sprechen sehr viel mit ihnen", erklärt Heckers. Der Inhalt sei dabei weniger wichtig als Mimik, Gestik und die Lautstärke, in der man mit ihnen rede.

Individuelle Bedürfnisse

Nach zwei Jahren Erfahrung mit dem modifizierten Drei-Welten-Modell sind sich Jürgen Heckers und Peter Klein einig: Seit das Seniorenzentrum Lindenallee damit arbeitet, können sie und ihre Kollegen viel besser auf die individuellen Bedürfnisse der Menschen eingehen. "Und das ist doch das Wichtigste", betonen sie.

Quelle: RP

 
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