Duisburg: "Wir sind gut aufgestellt"
zuletzt aktualisiert: 19.11.2008Duisburg (RPO). Angela Schoofs, die Leiterin der Arbeitsagentur Duisburg, sieht keine Rezession, allenfalls „Dellen“, die es zu überstehen gilt. Fachkräfte werden nach wie vor gesucht.
Jeden Tag kommen neue Hiobsbotschaften vom Wirtschaftsmarkt. In den vergangenen Monaten ging die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen noch zurück. Wie das nun kurz-, mittel- und langfristig auf dem Duisburger Arbeitsmarkt aussehen könnte, darüber sprach RP-Redakteur Peter Korte mit Angela Schoofs, der Leiterin des Duisburger Arbeitsagenatur.
Werden die dunkelgrauen Wolken am Wirtschaftsmarkt auch für trübe Aussichten in Duisburg sorgen und welche Konsequenzen würde das für den hiesigen Arbeitsmarkt nach sich ziehen?
Angela Schoofs: Die dunkelgrauen Wolken sind das eine, ob wir später eine höhere Arbeitslosigkeit feststellen, ist das andere. Wir sind sehr gut aufgestellt mit unserer Wirtschaft, so dass solche Dellen überstanden werden können. Einen weiteren Rückgang der Arbeitslosenzahlen werden wir wohl nicht erleben. Ich hoffe, dass sich in den nächsten drei bis vier Monaten die Arbeitslosenzahlen auf dem aktuellen Niveau wie jetzt stabilisieren. Sehr wichtig für die nahe Zukunft ist übrigens vor allem, dass sich der Finanzmarkt neu ordnet.
Gehen auf Dauer die Arbeitslosenzahlen in Duisburg wieder nach oben?
Schoofs: Das vorweg: Wir sollten nicht den Eindruck erwecken, dass wir uns schon in einer tiefen Rezession befinden. Fachkräfte werden nach wie vor gesucht, selbst bei den Zeitarbeitsunternehmen wird derzeit nicht entlassen. Mittelfristig müssen wir auch auch an die demographische Entwicklung denken und daran, dass die Unternehmen in nächster Zeit jüngere Arbeitskräfte benötigen. Anträge auf Kurzarbeit liegen im üblichen Bereich. Einschätzen kann ich nur die nächsten drei bis vier Monate, und da glaube ich, wie gesagt, dass es keinen gravierenden Anstieg bei den Arbeitslosenzahlen geben wird.
Empfehlen Sie unter gewissen Umständen Arbeitslosen auch, sich außerhalb der Duisburger Stadtgrenzen umzusehen, um wenigstens anderswo einen Arbeitsplatz zu finden?
Schoofs: Dazu muss gesagt werden, dass wir als Arbeitsagentur bundesweit tätig sind. Wir vermitteln somit auch bundesweit, vermitteln qualifizierte Menschen dorthin, wo sie gebraucht werden.
Würden Sie dabei auch Hilfestellung leisten?
Schoofs: Wir haben ein reichhaltiges Angebot zu bieten bis hin zur Mobilitätshilfe.
Wie flexibel sollten heutzutage junge Arbeitslose oder gar Schulabgänger sein?
Schoofs: Diese beiden Gruppen sind heutzutage schon sehr flexibel, wenn man sich die Ein- und Auspendlerzahlen anschaut. Junge Leute kommen aus dem gesamten Ruhrgebiet und dem niederrheinischen Raum nach Duisburg und junge Bürger dieser Stadt pendeln selbstverständlich auch aus, bis in die Niederlande übrigens.
Jede Rezession geht einmal zu Ende. Meinen Sie, dass Branchen wie die Stahlindustrie oder die Logistik dann auch in Duisburg wieder einen Schub bekommen könnten?
Schoofs: Um es noch einmal deutlich zu machen: Wir haben derzeit noch keine Rezession. Die heimische Wirtschaft ist breit aufgefächert, gut gerüstet und gut aufgestellt, wenn es darum geht, wieder richtig durchzustarten.
Was sollte Ihrer Meinung nach denn in Duisburg getan werden, um Auspendler wenigstens familiär an Duisburg zu binden, damit es nun wirklich nicht zu einem Wegzug „für immer“ kommt?
Schoofs: Duisburg ist ein Oberzentrum, und die Verantwortlichen sollten alles tun, um ihre Bürger, auch wenn sie Auspendler sind, in dieser Stadt zu halten. Viele Anziehungspunkte wurden in letzter Zeit auch geschaffen, ich denke da an das neue Forum oder den Innenhafen. Attraktivitäten schaffen Kaufkraft, mehr Kaufkraft schafft wiederum mehr Arbeitsplätze. Je attraktiver die Stadt ist, um so weniger ist der Arbeitnehmer geneigt, dieser Stadt den Rücken zu kehren. Und wenn er es dann doch aus beruflichen Gründen tun muss, wird er um so lieber zurückkehren, wenn seine Stadt viele und vielleicht auch neue Anziehungspunkte hat, beispielsweise auch in der Gastronomie.
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