Duisburg: Zu Fuß nach Kevelaer
VON MARITA JÜNGST - zuletzt aktualisiert: 01.08.2008Duisburg (RPO). Franz Müller nimmt seit mehr als 20 Jahren an der Fußwallfahrt von Duisburg in den niederrheinischen Wallfahrtsort teil. Stets mit dabei: Wanderschuhe, Rucksack und ein Pilgerbuch.
Mündelheim Vor 20 Jahren wurden sie noch belächelt, als frömmelnde Wanderer abgetan. Doch seitdem sich Hape Kerkeling als Pilger auf den Jakobsweg nach Santiago de Compostela begab, ist Wallfahren wieder gesellschaftsfähig geworden. Um es mit Franz Müller aus Mündelheim zu sagen: „Wallfahren ist in.“
Franz Müller gehört seit mehr als 20 Jahren zu der Duisburger Gruppe, die sich einmal im Jahr auf die Fußwallfahrt nach Kevelaer begibt. In diesem Jahr, vom 14. bis 16. September, steht die 199. an. Und Franz Müller wird wieder dabei sein, ebenso wie rund 50 andere Gläubige, die gemeinsam den mehr als 40 Kilometer langen Weg beschreiten wollen. Damit es in diesem Jahr vielleicht noch ein wenig mehr werden, macht Franz Müller derzeit Werbung für die Fußwallfahrt, beispielsweise im Pfarrbrief.
Wallfahrt
An der Wallfahrt kann jeder ohne Anmeldung teilnehmen. Auch wer nicht ganz so gut zu Fuß ist, kann mitkommen, denn ein Bus begleitet die Pilger auf der ganzen Strecke. Wer möchte, kann unterwegs dort einsteigen und jederzeit auch wieder aussteigen.
Einige der Pilger sind auch drei Tage unterwegs. Sie übernachten in Kevelaer und wandern zurück.
Eine Wallfahrt, das ist auf jeden Fall weit mehr als eine einfache Wanderung. Gut drei Wochen bereitet sich Franz Müller im Vorfeld gedanklich darauf vor. „Einfach losmarschieren, das geht nicht“, sagt er. Unterwegs wird gebet, meist den Rosenkranz, und Lieder werden gesungen. Beispielsweise aus dem Pilgerheft, das Franz Müller bei jeder Wallfahrt in seinem Rucksack hat.
Der beherbergt aber auch ganz weltliche Dinge: trockene Socken, falls es unterwegs regnen sollte, Butterbrote, eine Banane und ausreichend Mineralwasser. „Bei mehr als 40 Kilometern muss man ausreichend trinken“, sagt der erfahrene Wallfahrer.
Auch wenn Franz Müller ein gläubiger Christ ist, die Pilgermesse zum Auftakt der Wallfahrt um 5.45 Uhr in der Karmelkirche „schwänzt“ er regelmäßig. Das sei zu früh, meint er, vor allem im Hinblick auf den anstrengenden Fußmarsch, der anschließend noch vor ihm liegt. Deshalb fährt ihn seine Frau stets zum Ausgangspunkt der Fußwallfahrt nach Moers Hülsdonk, wo sich die Gläubigen an diesem Tag treffen. Unterwegs steht in der Pfarrkirche Bönninghardt eine kurze Besinnung auf dem Programm. Doch Franz Müller freut sich auf schon auf die stärkenden Rasten. Denn in der Gaststätte „Drei Kronen“ in Kapellen gibt es jedes Jahr ein großes Blech mit gedecktem Pflaumenkuchen. „Der wird eigens für uns gebacken.“
Pünktlich zur Sakramentsandacht um 19 Uhr erreichen die Pilger dann Kevelaer. Franz Müller inzwischen übrigens ohne Blasen. Denn ohne seine Wanderschuhe geht er nicht mehr los. Das hat ihn die Erfahrung gelehrt.
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