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Loveparade Panorama 100726
  Foto: AFP, AFP
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Chaos bei der Loveparade: Zu wenige Sicherheitskräfte im Einsatz

VON NILS DIETRICH - zuletzt aktualisiert: 26.07.2010 - 13:27

Zwei Tage nach der Katastrophe bei der Loveparade in Duisburg geht die Aufarbeitung des Unglücks nur schleppend voran. Zudem mehren sich Stimmen, nach denen auf dem Festivalgelände zu wenig Ordner im Einsatz waren. Genau das hätte in dem Sicherheitskonzept geregelt werden müssen - doch das weist offenbar Mängel auf. 

Die Hinweise auf eklatante Mängel bei der Loveparade in Duisburg häufen sich, Sicherheitskräfte geraten zunehmend in die Kritik. Davon sind nach Ansicht von Experten zu wenige im Einsatz gewesen. 4000 Polizisten und - je nach Quelle - zwischen 1000 und 2600 Ordner hätten nicht ausgereicht angesichts der Masse von 1,4 Millionen Besuchern. Einige Augenzeugen hatten berichtet, dass Polizei und Ordner vollkommen überfordert gewesen seien angesichts der Situation am Eingang zum Gelände.

"8000 bis 9000 Sicherheitskräfte wären auch nicht übertrieben gewesen", sagte Manfred Buhl, der als Chef von Deutschlands größter Sicherheitsfirma Securitas. Angesichts der "Kessel-Situation" auf dem Duisburger Gelände hätte man mit wesentlich mehr Kräften kalkulieren müssen, "um die Massen im Panik-Fall auseinander drängen zu können".

Auch der Konzertveranstalter Marek Lieberberg sieht dieses Problem. "Nach meinem Eindruck hätten bei einem Event dieser Größenordnung mindestens 4000 bis 5000 Ordner im Einsatz sein müssen", sagte er der "dpa". Zuvor hatte Lieberberg bereits "Geltungssucht der Lokalpolitik, Profitsucht der Veranstalter und totalen Amateurismus" der Veranstalter in der "Süddeutschen Zeitung" angeprangert. 

In Dortmund waren 2008 mit knapp 7000 Helfern deutlich mehr Kräfte im Einsatz als in Duisburg, wo den Massen nur 4000 Polizisten und 1000 Ordnern gegenüber standen. Genau dafür gab Kritik von der Gewerkschaft der Polizei (GdP): "Ich will die Duisburger Polizeiführer nicht angreifen – aber der Massenandrang wurde wohl unterschätzt", sagte der Berliner GdP-Chef Michael Reinke.

Hat es also eine Fehlplanung gegeben? Wie viele Ordner für eine solche Veranstaltung dieser Art notwendig sind, scheint unklar. "Ob die Zahl der Ordner angemessen war, wird Bestandteil der Prüfung durch die Staatsanwaltschaft sein", erklärte Oliver Arning vom Bundesverband Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen gegenüber unserer Redaktion. Er stellte zudem klar, dass nur so viele Ordner kommen, wie bestellt werden: "Es ist immer die Frage: Was will der Auftraggeber - der stellt die Anforderungen." Beim Weltjugendtag 2005 in Köln kamen auf 1,4 Millionen Besucher 1800 Sicherheitskräfte. "Da ist nichts passiert."

"Welche Anforderungen an das Sicherheitspersonal gestellt werden, muss im Sicherheitskonzept stehen", fügte Arning an. Doch genau das scheint eklatante Defizite aufzuweisen, wurde aber trotzdem von den Verantwortlichen bei der Stadt abgenickt. Nach einem Bericht der Online-Ausgabe des "Spiegel" sei die Veranstaltung nur für 250.000 Menschen zugelassen gewesen, tatsächlich sollen 1,4 Millionen gekommen sein. 

Die Polizei hatte bereits im Vorfeld gegen das Konzept Bedenken angemeldet, doch der nordrhein-westfälische Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Frank Richter, hält es für offen, ob die Duisburger Polizeiführung damit genügend Druck gemacht hat. Richter kritisierte zudem die Qualifikation der Ordner. 

Andere Stimmen sehen das Problem nicht bei der Anzahl von Ordnern und Polizei. "Es waren genug Sicherheitskräfte vor Ort", sagte Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft.

Dass die Sicherheitskräfte nichts hatten ausrichten können, ist nach Ansicht des Verhaltensbiologen Jens Krause von der Berliner Humboldt-Universität nicht überraschend. Die Massenpanik hätte von den Ordnern kaum verhindert werden können. "Sicherheitskräfte sind in so einem Fall auch machtlos, ein einzelner kann da nicht eingreifen", fügte Krause hinzu. Rechtlich gesehen sind die Ordner übrigens mit normalen Bürgern gleichgestellt, sie können beispielsweise vorläufige Festnahmen durchführen, müssen dann aber stets die Polizei hinzurufen.


 
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