Duisburg: Zur Selbstständigkeit verhelfen
VON CHRISTINA RENTMEISTER - zuletzt aktualisiert: 21.07.2012Duisburg (RP). Das Falkenheim in Hochheide bietet Kindern und Jugendlichen des Stadtteils seit über 50 Jahren die Möglichkeit, ihre Freizeit miteinander zu gestalten. Die Erfahrung, selbst etwas zu organisieren, steht dabei im Vordergrund.
Hochheide "Hey, Tipp-Kick-Männchen können sich auch nicht von der Stelle bewegen", ruft Thomas Lemkau, als der Torwart zur Seite springt, um das sechseckige Spielgerät zu fangen. Der ehrenamtliche Mitarbeiter des Falkenheims in Hochheide versucht, einigen Kindern die Spielregeln des Menschen-Tipp-Kicks zu erklären.
Den Tipp-Kick-Ball im Großformat hat er durch Zufall im Internet gefunden. Jetzt übt er mit den Kindern die Regeln des Spiels. Und das ist gar nicht so einfach, sind sie es doch gewohnt, dem Ball auch entgegen- oder hinterherlaufen zu dürfen. An diesem Tag haben sich aber nur wenige Kinder im Falkenheim eingefunden. Und die wollen trotz des gerade sonnigen Wetters lieber drinnen basteln und spielen.
"Wir sind ein selbstorganisierter Kinder- und Jugendverband. Hier dürfen die Kinder ihre Freizeit auch selbst gestalten. Bei uns gibt es auch keine Gruppenleiter, sondern die Älteren sind nur helfend und unterstützend anwesend", erklärt Frank Witzke, Generalsekretär der Duisburger Falken, das Anliegen.
Legendäre Dartturniere
Den Kindern und Jugendlichen, die das Falkenheim an der Kirchstraße 185 besuchen, wolle man die Möglichkeit zur Entwicklung eines staatsbürgerlich-demokratischen Bewusstseins bieten. "Wir versuchen nicht, den Kindern klarzumachen, dass der einzige Weg der sozialdemokratische ist. Die Kinder sollen lernen, sich eine eigene Meinung zu bilden und sich selbst zu organisieren", so Witzke. Dazu gehöre es auch, zu akzeptieren, wenn die Kinder etwas anderes machen möchten als die Mitarbeiter.
Meistens bereiten die Teilnehmer, besonders die 14- bis 17-Jährigen aus dem Schülerclub, auch Spiele, Turniere und Aktionen selber vor. So zum Beispiel die legendären Dartturniere, für die das Hochheider Falkenheim seit vielen Jahren bekannt ist: "Man hat das Gefühl, hier gibt es jede zweite Woche ein Dartturnier. Aber wenn die Kinder das so wollen, dann ist das so", sagt Witzke. Und Benjamin Wilde, in den vergangenen Monaten der hauptberufliche Mitarbeiter im Hochheider Falkenheim, gibt zu bedenken, dass auch die Jüngeren ihre Wünsche und Vorstellungen schon klar äußern.
Immer beaufsichtigt
So wie die siebenjährige Cora, die den Treff bereits seit drei Jahren besucht: "Benjamin, basteln wir heute mal wieder?", fragt sie. Als der ihr dann erklärt, dass eigentlich Tipp-Kick geplant ist, spielt Cora ein paar Minuten mit, sucht sich dann aber doch einige Mitstreiterinnen und kramt im großen Gruppenraum Schere, Kleber, Wolle und Papier aus den Materialkisten. Beaufsichtigt wird sie dort von einigen ehrenamtlichen Falkenmitgliedern, die auch beim Basteln helfen. Denn auch wenn die Kinder ihre Freizeit in dem Treff eigenständig gestalten können, völlig unbeaufsichtigt sind sie dort nie.
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