Abwahlverfahren gegen OB Sauerland in Duisburg: "Gut, dass die Abwahl auf die Beine gestellt wurde"
VON E. WAGNER, C. SCHWERDTFEGER, C. SIEDENTOP - zuletzt aktualisiert: 12.02.2012 - 17:11Duisburg (RPO). Heute können die Duisburger ihren Oberbürgermeister Adolf Sauerland abwählen - oder für ihn stimmen. Viele Menschen scheinen am Sonntag die Möglichkeit der Stimmabgabe zu nutzen, besonders junge Leute strömten am Vormittag in die Wahllokale. Viele der Befragten sind demnach für eine Abwahl.
Vor dem Rathaus haben sich gegen 16 Uhr rund 50 Gegner von Oberbürgermeister Adolf Sauerland versammelt. Auch die Polizei ist dabei und beobachtet das Geschehen. Doch bis auf einen kleinen Flashmob bleibt alles ruhig, es gibt noch nicht einmal Sprechchöre. Gerüchten zufolge will sich NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Abend ebenfalls in Duisburg einfinden. Demnach will er das Abwahlverfahren in einem Café der Sauerland-Gegner am Kantpark verfolgen. Bislang ist das aber nicht bestätigt.
Sauerland steht wegen der Katastrophe bei der Loveparade 2010, bei der 21 Menschen starben, in der Kritik. Ein Bündnis aus Duisburger Bürgern, Parteien und Gewerkschaften fordert deshalb die Abwahl des 56 Jahre alten CDU-Politikers.
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Obwohl es am Vormittag in vielen Wahllokalen einen regen Zulauf gab, sind viele unsicher darüber, ob das Quorum erfüllt wird. Denn nur wenn 25 Prozent der rund 365.000 Wahlberechtigten mit "Ja" abstimmen, muss Oberbürgermeister Sauerland sein Amt niederlegen. Das wären mehrheitlich 91.250 Stimmen. Bei der letzten Kommunalwahl lag die Wahlbeteiligung insgesamt allerdings nur bei rund 45 Prozent. Nach Informationen unserer Redaktion soll die Wahlbeteiligung aktuell unter 40 Prozent liegen.
Viele der Befragten in den Wahllokalen sind demnach für eine Abwahl. "Mich hat überrascht, dass schon einige Bürger am frühen Morgen ihre Stimme abgegeben haben", staunt Wahlvorsteher Horst Marufke, der schon seit Jahren bei Wahlen im Wahllokal an der Klosterstraße mithilft. "Normalerweise kommt der Ansturm später, nach der Kirche oder am Nachmittag."
"In den letzten eineinhalb Jahren nicht regiert"
Wähler Friedel Grinik gibt zu bedenken, dass sich das kalte Wetter negativ auf die Wahlbeteiligung auswirken könne. Bei Minus 5 Grad Außentemperatur ist der Gang zur Wahlurne beschwerlich. "Das ist mir aber wichtig genug", sagt eine Seniorin, die gegen die Abwahl gestimmt hat. Man suche nämlich nur einen Verantwortlichen. Das sieht auch Heinz Schiffer so. "Er ist der Einzige, der abgewählt werden kann." Allerdings hat Schiffer gerade deswegen für die Abwahl gestimmt. "Im Grunde sind wir in den letzten eineinhalb Jahren nicht regiert worden", erklärt seine Frau Josefine.
Den Schlussstrich für die Duisburger nach der Loveparade-Katastrophe wird es nach Ansicht Monika Schauffs auch nach einer Abwahl nicht geben. "Es ist ja nicht nur einer Schuld", sagt sie.
Die Wahl scheint den Duisburgern, die in die Wahllokale kommen, jedoch am Herzen zu liegen. In Rheinhausen strömen die Menschen in die Marktschule, um ihr Kreuz zu machen. In Hamborn sind vor allem junge Leute in den Wahllokalen zu finden.
Wenig Zulauf hatte der angekündigte Flashmob als Protestaktion gegen Adolf Sauerland. Bereits zweimal musste er am Nachmittag verschoben werden, weil nicht genug Leute kamen. Rund 20 haben schlussendlich kurz vor 16 Uhr begonnen, das geplante Zeichen zu setzen. Nach der Vorlage von Martin Tazl's Zeichnung "Der kleine Bürgermeister" wollten die Teilnehmer eine abwinkende Handbewegung machen und einen schockierenden Gesichtsausdruck auflegen.
"Oberbürgermeister verantwortlich für seine Arbeit"
Die meisten der Befragten befürworten die Abwahl. "Es ist gut, dass die Abwahl auf die Beine gestellt wurde. Der Oberbürgermeister ist verantwortlich für seine Arbeit, egal ob er direkt schuldig ist oder nicht. Eltern müssen schließlich auch für ihre Kinder haften." findet das Ehepaar Bühren, das gerade aus dem Wahllokal an der Obermauerstraße kommt.
Viele Sauerland-Anhänger scheinen bislang - statt gegen die Abwahl zu stimmen - zu Hause geblieben zu sein. Dennoch finden sich auch kritische Worte. Für das Ehepaar Nierth ist klar, dass der OB gehen muss, "aber diese Hetzjagd, die hier mit der Abwahl getrieben wird, ist auch nicht richtig."
Andere freuen sich darüber, dass die Bürgerinitiative "Neuanfang für Duisburg" die Abwahl initiiert hat, wie Christoph Burchard. "Das ist eine Erweiterung der demokratischen Rechte. Gerade für Duisburg ist dies eine tolle Sache, da die Stadt sonst eher nicht von bürgerschaftlichem Engagement geprägt ist". Tobias Schrock, der auf dem Weg zum Sport noch schnell seine Stimme abgibt, empfindet die Abwahl als gerechte Strafe für Sauerland.
Nach und nach füllt sich der Parkplatz vor dem Rathaus mit Pressevertretern aus ganz Deutschland. Ein Übertragungswagen hat bereits seinen Platz gefunden. Heute abend gegen 19.30 Uhr wird das Ergebnis bekanntgegeben. Einen Unterschied zwischen Abwahl und anderen Wahlen gibt es für die Wahlhelfer nicht. "Nur das Stimmen zählen heute abend wird einfacher", lacht Horst Marufke.
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