Eishockey: Dann setzt Vergessen ein
VON HERMANN KEWITZ - zuletzt aktualisiert: 02.02.2007Noch acht Pflichtauftritte warten in dieser Spielzeit auf die Füchse Duisburg in der DEL. Das heutige Spiel bei den DEG-Metro-Stars ist nur noch ein Blatt auf dem Abreisskalender
Der Fuchs zehrt sich auf. Levente Szuper, der Torwart des Duisburger Eishockey-Teams, ist jetzt auch weg. Nach Chris Hajt, Martin Bartek, Rudolf Huna und Daniel Del Monte schon der fünfte Spieler in vier Tagen. Rechnet man auf diese DEL-Saison zusammen, dann haben den EVD fünf von elf Ausländern verlassen. Mit Toni Bader kommt noch ein Nationalspieler dazu, der seinen Hut nahm.
Heute muss Didi Hegen im ISS-Dome bei den DEG Metro Stars antreten. Kein Spiel ist das, nur noch ein Blatt auf dem Abreißkalender. Ganz dünn ist der Rest. Gottlob. Acht Spiele, acht Pflichtauftritte. Danach setzt das Vergessen ein. Man beginnt zu verstehen: So muss sich ein Boxer fühlen, der über viele Runden nur aufs Maul bekommen hat. Dann geht’s auf den Boden. Der Ringrichter zählt bis Sieben. Er könnte aufstehen und sagt sich: „Besser nicht.“
Hart für die Fans
Für die Fans muss das ganz hart sein. Über Wochen haben sie trotz schlechter Spiele gute Laune verbreitet. Zurück haben sie wenig bis gar nichts bekommen. Ein paar schöne Partien im Dezember – das war’s. Jene Unzulänglichen, denen sie den Rücken gestärkt haben, hat selbst der Mut der Verzweiflung verlassen. Sie schauen, dass sie woanders unterkommen. Möglichst schnell. Seele und Herz kaufen im Profisport Stehplatzkarten. Und der Chef, was sagt der? Wieso lässt Ralf Pape sie alle ziehen, diese Barteks, Hunas und Hajts? Weil er ans Geld denkt. Dass er jetzt spart und ins hoffentlich bessere nächste Jahr investieren will. Weil er sich den Fliehkräften nicht mehr widersetzen konnte. Weil Trainer Didi Hegen nicht den Teamgeist weckte, der diesen Kräften entgegenwirkt. Die Spieler hätten auf die Vertragsauflösung gedrängt, sagt Pape. Rudolf Huna schickte sein Flehen per SMS auf Papes Handy. Martin Bartek will sogar mit lädiertem Fuß spielen. Hauptsache nicht in Duisburg! Fast tut es einem für die anderen Leid. Alle Ausländer hatten Angebote. Matt Dzieduszycki, Jean-Francois Fortin, Calle Bergström und Johan Forsander könnte in der Fremde noch Geld verdienen. Müssen aber bleiben. Weil sie einigermaßen Leistung zeigen. Jetzt darf Hegen sie ganz nett pflegen. Wie alle anderen auch. Mal in Zoo gehen. Oder im Innenhafen zwei Bier trinken.
Aber: es kann noch schlimmer kommen. Das 1:14 als höchste Niederlage aller DEL-Zeiten gilt es nicht zu überbieten. Zwei Siege sollten her, damit man mehr Punkte auf dem Konto hat, als die Freiburger Wölfe, die sich mit 34 Zähler aus der höchsten Klasse verabschiedeten. So soll es nicht zuende gehen. Pape sagt: Er habe die Nicht-Abstiegsregel stets abgelehnt. Dass er nun davon profitiert und Ballast abwirft, könne ihm niemand vorwerfen. Auch Regeln, die man nicht mag, darf man nutzen. Die Füchse führen gleichwohl den Unsinn der Ligen-Planer vor Augen. Das haben sie schon mal gemacht: Vor zwei Jahren und in weit freudiger Angelegenheit. Damals holte man sich kurzerhand fünf Förderlizenzspieler aus der Bestengruppe und stieg flott in die DEL auf. Prompt änderte Deutschlands Eishockey sein Regelwerk. Ob’s wieder so kommt? Auf jeden Fall muss sich beim Fuchs einiges ändern. Damit es nie wieder so kommt!
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