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Das Paradies auf Erden

VON RUTH FREUDE - zuletzt aktualisiert: 25.06.2009

Ruth Freude, Jahrgang 1925, erinnert sich an spaßige Floßfahrten, die Grenzbeziehungen zu den Nachbarvereinen und ihre romantischen Ausflüge zur Liebesinsel. Eine RP-Serie.

Die Kriegszeit taucht vor mir auf. Der Amateur war immer unser Treffpunkt. Viele wurden eingezogen, andere waren schon gefallen. Der Schlackenberg war Flakstellung. Wenn Alarm kam, kauerten wir uns an die Clubhauswand. Oben vom Schlackenberg ballerten die Geschütze, die Flaksplitter fielen in den Barbarasee. Und wir dachten: "Noch einmal davon gekommen." Anschließend gingen wir im See baden. So dicht lagen die Dinge beieinander.

Heute ist bestimmt nicht mehr nachvollziehbar, wie selbstverständlich junge Leute damals mit dem Krieg umgingen. Da war, muss ich ehrlich sagen, das Zusammenleben, die Kameradschaft, die Freundschaft im Amateur. Ein eng geknüpftes Band also.

Ein Tablett voller Bier

Wir hatten früher einen Bootsraum. Jeder hatte ein Boot, und Stapelläufe von neuen Booten wurden immer ganz groß gefeiert. Unser Boot wurde mit einer alten Teigrolle (Freudes hatten eine Bäckerei) unter viel Hurra, Tara und Pils, sowie Wasserschlachten von den Clubmitgliedern zu Wasser gelassen. Ein anderes Mal schwamm man zum Floß, und manchmal kam jemand mit einem Tablett voller Bier geschwommen, die dann auf dem Floß unter lustigen Gesängen ausgetrunken wurden. Über Mikrofon gab mein Mann, der Krümmel, Dönekes zum Besten, inszenierte falsche Durchsagen. Aber das war noch nicht alles.

Ganz doll waren die damals so genannten Grenzbeziehungen. Damit waren alle Vereine an den Seen gemeint. Als da waren Freie Schwimmer, Duisburg 98 und so weiter. Die vielen Mitglieder aller Clubs besuchten sich ein Mal im Jahr gegenseitig, und das geschah mit bunt geschmückten Booten und Lampions. Ich erinnere mich, wie Rudi Hörnemann als Bademeister mit noch einem Kameraden in einem Floss unterwegs war. Man fuhr durch den Stichkanal auf die Regattabahn, wo dann bei Duisburg 98 ausgiebig gefeiert wurde.

Das Poussieren im Paddelboot, das war ein Traum. Die Insel, die "Liebesinsel", und die Bucht. Das Boot fuhr ins Schilf und man lag im Schoß des Paddlers. Ein harmloser Flirt, aber so etwas Schönes. Die Erinnerung an diese Zeit stirbt nie.

Der Amateur-Schwimmclub als Anlaufstelle: Er ist es mein ganzen Leben geblieben. Eins der schönsten Paradiese auf Erden.

Quelle: RP

 
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