Handball: Ein echter Glücksgriff
VON SEBASTIAN MÜHLEIS - zuletzt aktualisiert: 16.11.2010Es war nicht unbedingt zu erwarten, dass Mirko Szymanowicz beim OSC Rheinhausen die gleiche Rolle ausfüllen würde, wie er es zuvor vier Jahre lang beim Nachbarn Spfr. Hamborn 07 tat. Vor allem nicht, nachdem den "Olympischen" der Sprung in die 2. Bundesliga gelang.
Zwei Ligen übersprang der 1,93 Meter große Rückraumspieler damit, verließ zudem sein vertrautes Umfeld, in dem er gleichermaßen unumstrittene Führungsfigur wie auch Torjäger war.
Heute, knapp fünfeinhalb Monate nach seinem Wechsel, rangiert der Polizeibeamte mit 92 Toren auf dem ersten Platz der Torschützenliste der Süd-Gruppe der 2. Bundesliga, bekommt beinahe jede Woche gute Kritiken – auch von seinem Trainer Achim Schürmann, der bereits in der Saisonvorbereitung nie müde wurde, den Neuzugang zu loben. Schnell integrierte sich Szymanowicz in das neue Spielsystem und ist mit seiner Konstanz, seinem hohen Einsatz und seinem Willen ein unverzichtbarer Eckpfeiler in Angriff wie Abwehr geworden.
Schnell weiter punkten
Wer den sympathischen und zurückhaltenden Mann näher kennt, der weiß aber, dass diese persönlichen Erfolge ihm nur wenig bedeuten. So stellt der 24-Jährige zwar erfreut fest, dass "die Umstellung von der Oberliga auf die zweite Liga problemlos geklappt hat" – schiebt aber sofort nach: "Damit hätte ich nie gerechnet. Nicht mit der starken Leistung der Mannschaft, und bei mir noch weniger."
Vielmehr ist ihm der Rummel um seine Person beinahe schon unangenehm. "Ich möchte mich nicht so sehr ablenken lassen, deshalb sind Dinge wie die Torschützenliste nur nebensächlich für mich. Wichtig ist der Erfolg der Mannschaft, dass wir so schnell wie möglich Punkte holen, am besten direkt in Erlangen", erklärt Szymanowicz, der sich für den Klassenerhalt zerreißen wird.
Er ist eben Wettkämpfer durch und durch, dafür bedarf es keiner 2. Bundesliga. Selbst bei Aufwärmspielen in den Trainingseinheiten will er immer gewinnen.
Den Spagat zwischen Beruf und den gestiegenen Anforderungen, die die Spielklasse mit sich bringt, meistert der Rückraumspieler bislang mühelos, auch wenn ihn so manche Hintermannschaft bereits an der Grenze zur Legalität angeht, wie er zuletzt gegen den TV Hüttenberg erfahren musste. Dies schreckt Szymanowicz aber keineswegs ab, vielmehr motivieren ihn die Erfahrungen in der 2. Bundesliga jede Woche aufs Neue.
Nationalspieler etwas Besonderes
"Es gefällt mir sehr gut, sowohl in Rheinhausen als auch in der neuen Spielklasse. Und auch wenn wir bislang auswärts nicht so erfolgreich waren, macht es Spaß immer wieder in vollen Hallen mit tollem Publikum zu spielen. Und gegen die vielen aktuellen und ehemaligen Nationalspieler antreten zu dürfen ist auch etwas Besonderes", berichtet Szymanowicz.
Zuletzt hieß es unter den Besuchern der altehrwürdigen Halle an der Krefelder Straße hier und da bereits, "der spielt doch nächste Saison sowieso erste Liga". Für den bodenständigen Szymanowicz kein Thema, er überhört die Frage nach der Beletage gekonnt.
Er will sich eben nicht verrückt machen lassen, sich voll und ganz auf die "Mission" Klassenerhalt mit dem OSC konzentrieren. Und jede Wette: Würde es den Liga-Verbleib garantieren, würde Szymanowicz sofort auf jeden weiteren Treffer verzichten.
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