Ein Morgen im Amateur
VON HORST WIMMERSHOFF - zuletzt aktualisiert: 04.06.2009Auftakt der RP-Serie. Unser Autor erinnert sich an die Geschehnisse an einem strahlenden Herbstmorgen, die Begegnung mit einem Polizeibeamten – und wie schön es doch ist, Mitglied des Amateur SC zu sein.
Es war ein strahlender, kalter Herbstmorgen. Die Sonne stand schräg über dem Barbarasee und glitzerte im gekräuselten Wasser. Ein Schwan zog einsam seine Bahn. Die Birken der Liebesinsel und des Schlackenberges hatten ihr buntes Herbstkleid angelegt. Das beheizte Schwimmbecken dampfte im blauen Morgendunst.
Schon im Kinderwagen war er in den Amateur-Schwimmclub an der Kruppstraße geschoben worden und hatte dort einen Teil von Kind- und Jugendzeit verbracht. Als Student war er ausgetreten, um später reumütig wieder einzutreten. Bis vor kurzem war er nur in den See gegangen und auch nur dann, wenn der über 25 Grad hatte, also nur zwei- oder dreimal im Jahr, um seinen Beitrag abzuschwimmen, wie er es nannte. Nun hatte er, aus gesundheitlichen Gründen, das beheizte 50-Meter-Schwimmbecken "entdeckt" und zog meistens morgens seine Bahnen. Erst wenige, dann immer mehr, und jedes Mal schaute er, bevor er ins warme Schwimmbecken sprang, auf den See und musste an seine Jugend denken: Fangen spielen am Floss, die erste Zigarette, der erste Kuss auf der Liebesinsel. Erinnerungen...
Meist trug er nur die Badehose auf dem Leib und hatte das Handtuch unter den Arm geklemmt. So auch an diesem Strahlemorgen. Wie immer waren nur wenige und immer die selben Mitglieder im Wasser. Eigentlich schade, bei so vielen ASCDlern. Aber die Anderen waren entweder noch im Bett oder wussten nicht, was gut war, und dies war gut so. Denn so hatte man die ganze Morgenpracht für sich alleine.
Halbnackt, ohne Führerschein
Als er seine Bahnen geschwommen und sich abgetrocknet hatte, mümmelte er sich in seinen Morgenmantel und fuhr im Auto nach Hause. Aber er hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht.
Auf dem Uhlenhorstweg war allgemeine Verkehrskontrolle und das am Samstagmorgen um halb zehn. Die Kelle hob sich, und es gab kein Entrinnen. Der Beamte (Gott sei Dank, war es wegen der dürftigen Kleidung keine Polizistin), forderte unseren Schwimmer auf, seine Papiere zu zeigen. Tut mir leid. Beim Herunterkurbeln des Fensters hatte sich der Bademantel leicht geöffnet. Der Beamte konnte nicht alles sehen, aber dass unser Morgenschwimmer nackt war, das sah er wohl. "So geht das aber nicht, halbnackt, ohne Führerschein durch die Gegend zu fahren." Der so Angesprochene wurde puterrot und begann stotternd zu erklären. "Ach so, aus dem Amateur-Schwimmclub kommen Sie, morgendliches Bad, na dann. Da spielt mein Neffe in der Jugendmannschaft Wasserball. Dann fahren Sie mal los, aber vergessen Sie Ihre Papiere nicht wieder."
Der Morgenschwimmer fuhr bei bester Laune heim und dachte, wie schön ein Mitglied vom Amateur-Schwimmclub zu sein.
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