Wasserball: "Ich trete dieses Jahr etwas kürzer"
zuletzt aktualisiert: 22.06.2009RP-Montag-interview mit Tobias Kreuzmann, dem Kapitän des Wasserball-Bundesligisten ASC Duisburg, über seine WM-Absage, Stress in der Uni und die Aussicht, doch noch einmal Serienmeister Spandau 04 Berlin zu schlagen.
Die Nationalmannschaft bereitet sich auf die WM vor, und Sie als langjähriger Leistungsträger sind nicht dabei. Wie kommt's?
Kreuzmann Die WM läuft parallel zur Klausurphase an der Uni, und da musste ich Prioritäten setzen. Ich bin jetzt 28 und muss zusehen, dass ich mein Studium langsam aber sicher zu Ende bringe. Von daher habe ich mich ganz bewusst dazu entschlossen, international eine Pause einzulegen und stattdessen in der Uni Gas zu geben. Schließlich habe ich in den letzten Jahren doch eine Menge Stoff verpasst.
Gibt's für Spitzensportler denn keine Ausnahmeregelungen, dass Sie Klausuren nachholen können?
Kreuzmann Das ist schwierig und von Lehrstuhl zu Lehrstuhl unterschiedlich. Einige Professoren sind diesbezüglich kooperativ, andere wiederum lehnen eine Verlegung rigoros ab. Aber abgesehen davon muss ich ja auch die Vorlesungen besuchen, um gut vorbereitet zu sein. Und das ist mit Lehrgängen, Testspielen und Vorbereitungsturnieren eben nicht unter einen Hut zu kriegen.
Das hört sich jetzt so an, als würden Sie vielleicht gar nicht mehr für Deutschland spielen.
Kreuzmann Ach was. Ich trete dieses Jahr kürzer, werde danach aber wieder voll einsteigen. So ist es auch mit dem Bundestrainer abgestimmt.
Kommen wir zum ASCD. Sind Sie es nicht leid, ewig hinter Spandau 04 Berlin zu landen?
Kreuzmann (lacht) Die Frage musste ja kommen. Als Sportler nervt uns das natürlich gewaltig. Aber ich bin mir ganz sicher, dass wir es bald packen.
In dieser Saison waren Sie mit Ihrer Mannschaft ein ganzes Stück davon entfernt, Spandau ernsthaft gefährden zu können.
Kreuzmann Stimmt, und dafür gibt es gute Gründe. Spandau hat vor der Saison personell nachgelegt und Florian Naroska für die Center-Verteidigung geholt. Wir hingegen haben mit Timo Purschke und Marek Debski zwei wichtige Spieler verloren. Solche Abgänge lassen sich nicht ohne Weiteres kompensieren, es sei denn man nimmt eine ganze Stange Geld in die Hand.
Ihr Verein setzt lieber auf die Jugend. Ist das der richtige Weg?
Kreuzmann Absolut, das entspricht der Philosophie des "Amateurs", und die Erfolge geben uns ja Recht. Julian Real ist im ASCD zum Olympia-Teilnehmer gereift, Tim-Ole Fischer, Till Rohe und Paul Schüler spielen ebenfalls in der Nationalmannschaft. Im Jugendbereich haben wir zig Jungs, die über kurz oder lang den Sprung in den Bundesliga-Kader schaffen können.
Wie sehen denn die Planungen für die nächste Saison aus?
Kreuzmann Wir starten im Juli mit der Vorbereitung. Fest steht, dass Tim und Tom Focke der ersten Mannschaft nicht mehr zur Verfügung stehen werden. Außerdem wechselt Christopher Schäckermann nach Düsseldorf. Das müssen wir auffangen, um angreifen zu können.
In Italien und Osteuropa verdienen Wasserballer als Profis gutes Geld. Haben Sie eigentlich nie mit einem Wechsel geliebäugelt?
Kreuzmann Angebote aus dem Ausland habe ich im Laufe der Jahre einige bekommen. Aber Duisburg ist meine Heimatstadt, und ich fühle mich hier pudelwohl. Also, was soll ich woanders? Das Thema ist für mich erledigt.
Wäre Spandau keine Alternative? Da würden Sie auch Titel gewinnen.
Kreuzmann Niemals. In Deutschland gibt es zwei Vereine, die allen anderen von der Professionalität her weit voraus sind. Spandau und der ASCD. Aber ganz ehrlich, zu Spandau zieht mich nichts hin.
Was ist denn so schlimm an dem Gedanken?
Kreuzmann Mir geht es gegen den Strich, was die sich herausnehmen. Bundestrainer Hagen Stamm ist Spandaus Präsident, sein "Co" Nebojsa Novoselac Spandaus Cheftrainer. Im aktuellen 19er Aufgebot stehen gleich 13 Spieler von Spandau. Und alle bekommen finanzielle Unterstützung vom DSV.
Also tritt der Verband indirekt als Sponsor von Spandau 04 Berlin auf?
Kreuzmann In gewisser Weise schon. Das Schlimme dabei ist, dass Spieler nicht oder nicht mehr berücksichtigt werden, die der Mannschaft ganz sicher weiterhelfen würden.
Wie Ihr Vereinskamerad Florian Müller zum Beispiel, dessen Qualitäten Bundestrainer Hagen Stamm nie recht zu schätzen wusste.
Kreuzmann Flo bringt für den ASCD kontinuierlich starke Leistungen, ist Linkshänder, Bundesliga-Torschützenkönig und Wasserballer des Jahres. In der Nationalmannschaft spielt er aber nicht mehr. Wie im Übrigen auch Tim Wollthan und Tilo Kaiser von Bayer Uerdingen. Soviel dazu.
Letzte Frage. Haben Sie schon Urlaub gebucht?
Kreuzmann Ja. Am 18. August schreibe ich die letzte Klausur. Gleich danach geht's mit meiner Freundin, meinem Bruder und dessen Freundin ab nach Portugal. Da habe ich dann zehn Tage Zeit, um Surfen zu lernen und etwas abzuschalten. Schließlich beginnt schon im September die neue Saison.
Kristof Köller führte das Gespräch.
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