Fußball: Motivator statt Trainer
VON TOBIAS KNÜFERMANN - zuletzt aktualisiert: 20.11.2009TuRa 88 hat seine Mannschaft nun doch vom Spielbetrieb in der Fußball-Niederrheinliga abgemeldet. Finanzielle Gründe in der Bezahlung des Kaders gaben am Ende den Ausschlag für den sofortigen Rückzug.
Robert Zimmermann ist schon eine Weile im Fußball-Geschäft. Immer in Duisburg. Immer in Neudorf und immer nur bei TuRa 88. In seiner Zeit am Kammerberg hat der defensive Mittelfeldspieler schon so einiges erlebt. Zu Beginn seiner Karriere als "graue Maus" lange im Niemandsland der Bezirksliga, dann der Beginn des Höhenfluges verbunden mit dem Aufstieg in die Landesliga vor viereinhalb Jahren. Drei Jahre später gelang sogar der Aufstieg in die Verbandsliga, die heute Niederrheinliga heißt.
Lange lief alles rund
Auch nach dem Wechsel von Erfolgstrainer Ralf Kessen zu "Mucki" Tebeck lief alles rund am Kammerberg. Ohne Probleme schafften die "roten Teufel" im ersten Jahr den Klassenerhalt. Und das alles auf feinem Kunstrasen anstatt tiefer roter Asche. Seit Mittwochabend ist der "Höhenflug" beendet. Auf und neben dem Platz. Ur-TuRaner Robert Zimmermann kann nur mit dem Kopf schütteln: "Ich kann noch immer nicht begreifen, dass jetzt Schluss ist. Aber leider war es wohl nicht anders möglich."
In einer Mitteilung der Neudorfer heißt es kurz und knapp: "TuRa 88 hat seine 1. Mannschaft mit sofortiger Wirkung vom Spielbetrieb abgemeldet. Der Verein sah sich nicht mehr in der Lage, die Gehälter und Prämien der Spieler aufzubringen, ohne den Gesamtverein in finanzielle Schwierigkeiten zu bringen."
Zahlungsschwierigkeiten hatte es schon in der vergangenen Saison gegeben. Trainer und Spieler verzichteten zeitweise auf ihre Zahlungen und spielten die Saison teilweise unentgeltlich zu Ende. Auch ein Zuschuss der Stadt sorgte für Entspannung. Aufkommende Vorwürfe, die Neudorfer hätten die städtischen Zuschüsse in die Mannschaft gesteckt, wies der Verein zurück: "Wir haben der Stadt nachweisen müssen, dass das Geld für den Kunstrasenbau genutzt wurde. Die Zuschüsse sind definitiv nicht in den Spielbetrieb geflossen", so Pressesprecher Detlef Zaplata.
Der neue Vorstand um Frank Haak, seit April 2009 im Amt, schraubte den Etat vor der Spielzeit um über 60 Prozent zurück. Offenbar deutlich zu wenig, wie auch Trainer Jörg Kessen meint: "Die Mannschaft hat schon länger keine Zahlungen mehr erhalten. Punktprämien sind in die Spielzeit noch gar nicht gezahlt worden. Ich war in den letzten Wochen eigentlich kein Trainer mehr, sondern nur noch Motivator", sagt Kessen und nimmt seine Spieler in Schutz: "Es ist doch völlig normal, dass die Mannschaft auf ihre zugesagten Zahlungen wartet. Würden sie nicht Fußball spielen, hätten sie einen anderen Nebenjob. Vor allem für die Schüler und Studenten im Team, die teilweise auch bis zu 50 Kilometer Anfahrtswege haben, ist die Bezahlung ein Muss. Ohne Geld gibt es kein Sprit."
Kein Vertrauensverhältnis
Dem Forderungskatalog, den die Mannschaft am Dienstagabend vorlegte, konnte der Vorstand nicht nachkommen. Damit erledigte sich auch die Bedingung, dass der Vorsitzende Frank Haak sein Amt niederlegen sollte: "Zum Vorstand und insbesondere unserem Präsidenten war das Verhältnis alles andere als vertrauensvoll", so Robert Zimmermann. Auch Trainer Kessen wunderte sich über die Vorgehensweise: "Als ich hier vor sieben Wochen angefangen habe, hätte man mir eventuell auch schon mal von Problemen erzählen können. Mit dem Präsidenten habe ich trotz der brenzligen Phase diese Woche nicht einmal gesprochen. Schon komisch."
Alle Spiele annulliert
Durch den TuRa-Rückzug werden nun alle bisher gewerteten Spiele der Neudorfer annulliert. TuRa 88 Duisburg steht als erster Absteiger in die Landesliga fest, eventuell soll es gar einen Neustart in der Bezirksliga geben: "Ich bin guten Mutes, dass wir den Verein wieder auf stabilere Beine bekommen", hofft Pressesprecher Zaplata, der seit Jahren als überaus seriös gilt.
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