Schwimmen: Nette Mädchen auf der Nachbardecke
VON JÜRGEN SILLER - zuletzt aktualisiert: 23.07.2009In unserer Schulzeit in den 50er Jahren waren wir nachmittags oft im "Ama". Damals noch mit Decke auf einer echten Sandbank im See. Nur das Trainingsbecken war an zwei Seiten mit groben Spundwänden und Holzbohlen abgegrenzt. Mit den Freunden toben, faulenzen, im See schwimmen und auch die netten Mädchen beobachten, das war schon besser als Schularbeiten.
Braungebrannter Adonis
Manche Erinnerung bleibt: Das Faulenzen in der Sonne, aber auch das allzu deutliche Hingucken nach netten Mädchen auf der Nachbardecke war oftmals dem damaligen strengen Aufseher Herrn Hörnemann ein Dorn im Auge. Er trieb uns Jungs dann mit strenger Miene ins Trainingsbecken und ließ uns mit mindestens sechs Bahnen unser Mütchen kühlen. Manchmal etwas lästig. Bei den netten Mädchen hatten wir damals spindeldürren Knaben sowieso wenig Chancen.
Ständig stand ein von oben bis unten braungebrannter Adonis – der Name ist mir entfallen, die Eltern hatten ein Blumengeschäft – auf dem Drei-Meter-Brett und zog mit andauerndem Hüpfen auf dem Sprungbrett die neugierigen Blicke der anwesenden Mädchen an. Wir hatten da wenig Chancen. Besonders ich traute mich nicht, vom Drei-Meter-Brett zu springen. Ich fürchtete, beim Sprung in das tiefe Wasser mit den Füßen den Grund zu berühren, der nach meiner Vorstellung voller Schutt und alter Fahrräder lag, an denen ich dann festhängen bleiben würde.
Einmal wurde es für mich tatsächlich ziemlich unangenehm. Wir machten Reiterkämpfe mit je einem Freund auf der Schulter im seichten Uferwasser, was mit großem Interesse von Außen beobachtet wurde. Von einem besonders harten Gegner wurde ich als "Untermann" mit Käse Beier auf dem Rücken in tieferes Wasser gedrängt, verlor dabei wortwörtlich den Boden unter den Füßen und schluckte eifrig Wasser. Es wurde immer schlimmer, weil mein Reiter – Nichtschwimmer, wie ich später erfuhr – dabei auch immer tiefer ins Wasser sank und versuchte, indem er sich mit beiden Händen auf meinen Kopf abstützte selbst über Wasser zu bleiben.
Das bedeutete für mich bald Landunter und statt Hilferuf, Wasserschlucken. Erst spät erinnerte sich Ernst Beier, dass man in solchen Fällen so lange man noch Luft bekommt nach Hilfe rufen sollte, und so wurden wir durch die Zuschauer noch rechtzeitig an Land gezogen. Mir wurde der Magen ausgepumpt. Ganz schön stressig, und nie wieder Reiterspiele mit Nichtschwimmern im "Ama".
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