Oberstes Gebot: Keine Zigaretten!
VON JÜRGEN KRÄMER - zuletzt aktualisiert: 09.07.2009Endlich, der Schulunterricht war zu Ende. Schnell machte ich mich auf den Heimweg. Zu Hause wartete mein Lieblingsessen. Himmel und Erde (Kartoffelbrei mit Apfelmus). Nach dem Essen mussten die Hausaufgaben gemacht werden. Damit war ich immer sehr schnell fertig – manchmal zu schnell – was sich in der Fehlerquote bemerkbar machte. Aber ich wollte nach draußen in "unseren Rosenhof". Dort warteten nämlich wie immer meine Freunde Klaus, Reiner, Bernd und Roderich, mit denen ich in diesem Park ähnlich angelegten Innenhof, der inmitten der Mietshäuser im Wasserviertel der Main-, Neckar-, Nahe- und Fudastraße lag, spielte.
Im Sommer hielten sich meine Freunde sehr oft im Amateur-Schwimmclub auf. Und so kam es, dass auch ich Mitglied im ASCD wurde. Von nun an fuhren wir gemeinsam mit dem Fahrrad an jedem heißen Tag vom Wasserviertel aus über die Saarstraße zur Neudorfer Straße, über die Koloniestraße zur Kruppstraße und dann zum ASCD. Hier genossen wir im großen Schwimmbad unseren Badespaß und hatten auf der grünen Wiese unser Vergnügen.
Manchmal hatten wir auch ganz großes Glück. Nämlich dann, wenn der Platzwart und Bademeister Herr Hörnemann gute Laune hatte. Wir erhielten die Erlaubnis, mit seinem Kanu über den See rudern zu dürfen. Das war für uns ein besonderes Ereignis. Selbstverständlich nahmen wir Pubertierenden direkten Kurs auf die "Liebesinsel".
Ein für mich weiteres Vergnügen war es, wenn die Wasserballer ihr Training hatten und ich zusehen durfte. Diese Sportart begeisterte mich so sehr, dass ich ein Wasserballer werden wollte. Von nun an nahm ich an den Trainingsstunden teil. Unser Trainer Hein Markmann verlangte von seinen Schützlingen Pünktlichkeit, Regelmäßigkeit, Kameradschaft und Gehorsam. Aber das oberste Gebot von Hein Markmann war: Es durfte nicht geraucht werden. Keine Zigaretten! Herr Markmann entging nichts. Es gelang mir auch anfangs, aber mein Schweinehund war stärker. Mit Zigarette fühlte ich mich doch schon erwachsen. Zwischendurch – man musste ja auch mal wohin – gelang mir ein Zug am Glimmstängel.
Wieder am Beckenrand angekommen, bemerkte Herr Markmann sofort den Nikotingeruch. Jetzt musste ich dem Training vom Beckenrand aus zusehen. Ich war stinkesauer und über mich selbst verärgert. Beim nächsten Training hatte ich die Ermahnungen wieder vergessen. Zwischendurch wurde ich immer wieder erwischt. Die Geduld des Trainers hing am seidenen Faden. Jetzt bekam ich von Herrn Markmann eine Abmahnung mit der Konsequenz: "Noch einmal und du fliegst aus der Mannschaft." Ich zog keine Lehre daraus. Mein Ziel ein guter Wasserballer des ASCD zu werden, war zu Ende. Ich hatte es "verspielt". Wie naiv war man doch als Halberwachsener?
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