MSV: Srdjan Baljaks Zaubertor
VON BERND BEMMANN - zuletzt aktualisiert: 15.11.2010Der MSV erreichte auf dem Aachener Tivoli ein 2:2. Bruno Soares fälschlicherweise mit einem Platzverweis bestraft. Nach dem Rückstand kam das Team erfolgreich zurück, spielte ein hohes Maß an Moral aus und ging sogar in Führung. Benjamin Auer setzte den Schlusspunkt.
Bruno Soares hockte in der Kabine und weinte bitterlich. Vergossene Tränen wegen einer "Bestrafung", die er nicht verdient hatte. Die 69. Minute am Tivoli, eine vielleicht entscheidende Szene mit fatalem Ausgang für den jungen Brasilianer. Per Brust hatte der 22-Jährige den Ball gestoppt – und sah dafür von Schiedsrichter Dr. Felix Brych die glattrote Karte, der nicht nur in dieser Szene völlig überfordert wirkte. Milan Sasic reagierte voller Betroffenheit. Nicht, dass der MSV-Trainer die Schiri-Aktionen an sich kritisiert, aber der Schuss des "Unparteiischen" ging nach hinten los. Beim MSV sei man dabei, für die Zukunft etwas aufzubauen, was auf Respekt, Ehrlichkeit und Vertrauen fuße und dann diese Ungerechtigkeit, so der Kroate. Sasic war wie vor den Kopf geschlagen.
Stefan Maierhofer: "Der Bruno ist in der Kabine völlig fertig, so als wenn er gerade eine Weltmeisterschaft verloren hätte." Und Aachens Sportdirektor Erik Meijer meinte vielsagend: "Der schlechteste Mann auf dem Platz war der Schiedsrichter." Schon der Elfmeter für den MSV nach angeblichem Foulspiel an Olcay Sahan war reichlich überzogen und wohl nicht berechtigt. Die allgemeine Verwunderung gipfelte in blanker Empörung. Denn Brych leistete sich nicht nur diese beiden Fehler, sondern lag auch bei anderen Aktionen falsch. Ein schwarzer Tag für ihn!
Hätte der MSV in Vollbesetzung den Dreier eingefahren?
Dass der MSV die letzten 20 Minuten mit voller Besetzung dazu genutzt hätte, das Supertor von Kapitän Srdjan Baljak zum 1:2 über die Zeit zu bringen und in einen Sieg umzumünzen, ist reine Spekulation. Innerhalb von drei Minuten war der "Teufel los" vor fast 20 000. Erst Sukalos Ausgleich-Elfmeter, dann der Witz-Platzverweis, schließlich Baljaks Klassetor – ein irres Spiel. Damit hatte der MSV die Aachener Führung nicht nur ausgeglichen, sondern war verdient in Führung gegangen. Mit Soares, der per Kopf mal wieder abräumte wie immer, hätte es vielleicht geklappt mit dem anvisierten Dreier gegen eine erstaunlich gute Alemannia-Mannschaft, die davon lebte, kämpferisch alles zu geben und stets nach vorne zu spielen. Das kam dem MSV naturgemäß entgegen. So entwickelte sich ein später dramatisches Spiel mit manchem Höhepunkt. Dass es ausgerechnet Benny Auer war, der das letztlich gerechtfertigte 2:2 erzielte gegen eine da "offene" MSV-Abwehr, stand gewissermaßen auf dem Papier. Auer sieht man eben lange nicht, dann schlägt er zu.
Dass Srdjan Baljak spielen konnte, lag am dem ihm bekannten "Physio", der ihn in Belgrad behandelt hatte. Eine Trainingseinheit mit der Mannschaft, dann gab der Serbe wieder Vollgas. Allein seine Präsenz im Team gab den Kollegen Auftrieb. Dass noch nicht alles klappte, war klar. Das lag an dem mehrwöchigen Ausfall ohne Training und Praxis. "Ich bin super gepflegt worden", meinte Srdjan Baljak, der liebend gern die Früchte seiner "Tat" eingefahren hätte. Der gefühlvolle Linksschuss zum 1:2 hatte allein das Eintrittsgeld verdient. Milan Sasic: "Es war eben ein Baljak-Tor." Das sechste schon in dieser Saison.
Der MSV steigerte sich erheblich. Der Vergleich zum Spiel in Düsseldorf war eindeutig: Damals ging vieles schief, gestern waren es anderthalb Stunden voller Elan und Einsatzbereitschaft. Und endlich wurde auswärts mal wieder getroffen – und das gleich doppelt.
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