Handball: Wiencek – wie im Traum
VON SEBASTIAN MÜHLEIS - zuletzt aktualisiert: 26.11.2009Duisburg hat einen neuen Handball-Nationalspieler. Der für den Zweitligisten TuSEM Essen spielende Patrick Wiencek wurde von Bundestrainer Heiner Brand für das Länderspiel gegen Weißrussland nominiert.
Fast scheint es, als gäbe es für Patrick Wiencek kein Limit. So kometenhaft mutet der Aufstieg des Handballers in Diensten des Zweitligisten TuSEM Essen an. Erst vor zwei Spielzeiten kam der Zwei-Meter-Eins-Hüne aus der Jugend des Bergischen HC. Und die Macher der Bergischen schlagen angesichts seines steilen Aufstiegs sicher die Hände über dem Kopf zusammen, dass sie ihn ziehen ließen.
Der Reihe nach: Nach seinem Engagement in Solingen landete er beim TV Jahn Hiesfeld – allerdings per Zweitspielrecht mit den Essenern, die sich das Talent zuvor "schnappten" und ihm in Hiesfeld "geparkt" Einsatzzeiten gönnen wollten. Der Sprung in die Bundesliga kam aber schneller als erwartet: Wegen einer Insolvenz setzte Essen auf Talente. Darunter Wiencek, der so nur wenige Partien für Hiesfeld absolvierte. Schnell mauserte er sich unter TuSEM-Trainer Kristof Szargiej zum unumstrittenen Stammspieler. Trotz starker Leistungen, die ihm nach dem Essener Abstieg viele Angebote einbrachten, ließ er sich aber nicht blenden, blieb bei seinem Förderer Szargiej.
Er scheint die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Zwar dümpelt seine Mannschaft bislang nur im Mittelmaß der Zweiten Liga dahin, doch Wiencek machte den nächsten Sprung. Seine starken Auftritte rückten ihn in den Fokus von Junioren-Nationaltrainer Martin Heuberger, der zudem die rechte Hand von Bundestrainer Heiner Brand ist. Mit der Junioren-Nationalmannschaft gewann Wiencek im Sommer den Weltmeistertitel in Ägypten – und nun ruft Brand.
Wiencek steht im 30-köpfigen Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft, die am 1. und 2. Dezember in Münster und Hamm auf Weißrussland trifft. Die Berufung überraschte Wiencek vollkommen. "Ich hatte meine E-Mails nicht nachgeschaut. Plötzlich rief mich mein ehemaliger Mitspieler Jörg Lützelberger an und gratulierte mir – und ich wusste gar nicht warum", schmunzelt Wiencek.
Als ihm klar wurde, dass er gerade eine Einladung zur A-Nationalmannschaft erhalten hatte, "war ich erst einmal total fertig. Das kann ich noch nicht richtig glauben, werde es wohl erst vor Ort begreifen." Die Freude überwiegt: "Mit Oliver Roggisch und Co. zu trainieren ist schon eine tolle Sache", so Wiencek, der sich keinen Illusionen hingibt: "Ich habe mit Martin Heuberger gesprochen, der mir gesagt hat, dass bei dem Lehrgang viele junge Leute getestet werden sollen, die in Zukunft eine Perspektive haben." Hoffnungen, auf den Zug in Richtung Europameisterschaft in Österreich aufzuspringen, macht er sich nicht. "Ich bin noch nicht so weit, brauche sicher noch ein paar Jahre. Aber ich habe ja noch Zeit."
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