Isselburg: 215 Jahre Isselburger Hütte
VON SUSANNE LÖRMANN - zuletzt aktualisiert: 04.05.2009Isselburg (RPO). Die Gießerei ist eine der letzten ihrer Art. Sie konnte nur überleben, weil sie stets die Zeichen der Zeit erkannt hat. Davon zeugt nun auch eine große Ausstellung, die im alten Stadtturm zu sehen ist. Gleichzeitig wurde auch der Maikranz aufgehängt.
Nicht nur um "Pöttkes un Pännekes" geht es in der jetzt eröffneten Ausstellung "215 Jahre Isselburger Hütte" – auch wenn Haushaltsgeschirr anfänglich zu den Hauptprodukten der Eisengießerei gehörte, wie Wolfgang Brinkmann, Ehrenvorstand des Heimatkreises und langjähriger Prokurist und Werksleiter des Isselburger Unternehmens, zu berichten wusste. Die Ausstellung ist ein Dankeschön des Heimatkreises an die Isselburger Hütte, die den Verein im vergangenen Jahr bei der Erstellung der Gießerskulptur, die jetzt die Minervastrasse ziert, sehr unterstützte. Die Eröffnung wurde zusammengelegt mit dem Aufhängen des Maikranzes.
Ansprechpartner
Die Ausstellung "215 Jahre Isselburger Hütte" wird bis Ende des Jahres im alten Stadtturm gezeigt.
Geöffnet ist der Turm jeden letzten Sonntag im Monat von Mai bis Oktober, außerdem natürlich zum Stadtfest und auf Anfrage. Ansprechpartner sind die Vorsitzenden Paul Biermann (Telefon 02874/2704) und Clemens Stockhorst (02874/930012).
Während draußen vor dem Turm Jürgen Boland in Rekordzeit den Kranz auf dem Ständebaum niederließ, konnten sich die Besucher drinnen die zahlreichen Exponate erklären lassen. Während es früher zahllose Gießereien in der Gegend gegeben hat, ist die Isselburger Hütte heute eine der letzten ihrer Art. Überlebt hat sie nur, weil sie die Zeichen der Zeit erkannt und sich dem wechselnden Bedarf angepasst hat.
"Von den Anfängen bis in die Mitte der Dreißiger Jahre hat sich die Produktpalette gewandelt", berichtet Brinkmann. Neben erwähntem Haushaltsbedarf gehörten Briefkästen, Radiatoren, Dampfmaschinen und Leuchttürme zum Repertoire der Eisengießerei. Über die vielen in Isselburg hergestellten Leuchttürme hat der leider bereits verstorbene Horst Tekaat im Jahr 2002 ein ganzes Buch herausgebracht, dennoch ist diese Tatsache auch unter alten Isselburgern wenig bekannt. Die meisten davon stehen heute noch, der jüngste ist der 1936 auf der Helgoländer Düne erbaute. Doch schon vorher hatte sich die Hütte ein weiteres Standbein zugelegt. Mit der Übernahme der Werksleitung durch Peter Klöckner im Jahre 1905 wurde das Angebot immer mehr der Motorenfabrik Deutz angepasst. Jahrzehntelang gehörte sie zum Konzern Klöckner-Humboldt-Deutz. Mehr und mehr wurde die Fertigung auf Motoren- und andere Fahrzeugteile umgestellt. "Im Grunde genommen macht die Hütte das heute noch", erzählt Brinkmann,
Die Schließung der Lehrwerkstatt Ende der 80er Jahre bedauert er heute noch, wenn er auch mit anderen Neuerungen gut leben kann. "Die Fertigung und auch die Gießerei sind moderner geworden." Zahlreiche Bilder, Karten und sogar alte Zeitungsannoncen hat Heimatkreis-Archivar Fritz Stege aufgetrieben, die von Andreas Staubach und Gerd Sandtel bearbeitet wurden. So entstand ein lebendiges Bild von der Arbeitswelt Ende des 19. Jahrhunderts, wo man noch Anzeigen aufgab, um ein Pferd zu erwerben.
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