Rees: "Bleifraß" setzt der Orgel zu
VON SEBASTIAN LATZEL - zuletzt aktualisiert: 28.01.2012Rees (RP). Das Instrument der St. Vincentius Kirche wird derzeit aufwändig saniert und gereinigt. Ausgetauscht werden alle Rohre für die Luftzufuhr, denn die sind undicht. Die Folge: Die Orgel hatte zuletzt nur noch einen müden Klang.
Orgelreinigung ist noch echte Handarbeit. Paul Markowski und Ger Heussen demontieren ganz vorsichtig alle 1200 Pfeifen des Instruments in der St. Vincentius Kirche. Ganz akkurat werden die Pfeifen auf der Empore platziert, die momentan eher mehr an eine Werkshalle erinnert. Dann beginnt das Putzen. Wobei der Begriff wörtlich zu nehmen ist. Denn Ger Heussen putzt tatsächlich jede einzelne Pfeife mit einem rot-weiß gemusterten Tuch, bringt die silberne Farbe wieder zum Glänzen.
Außerdem bessert er Schäden aus. Denn der Zahn der Zeit hat an dem Instrument genagt. Die Orgel stammt aus dem Jahr 1988 und ist seitdem noch nicht generalüberholt worden. "Die Pfeifen hatten deutliche Zeichen von Materialermüdung, außerdem war deutlich zu hören, dass die Rohre für die Windzufuhr marode sind", berichtet Kantor Klaus Lohmann, der das Instrument öfter spielt und schnell bemerkte, dass die Orgel nicht mehr richtig voll klang.
Für 25 000 Euro
Die Sanierung der Orgel kostet rund 25 000 Euro.
Ein stattliche Summe, allerdings handelt es sich auch um eine Komplettüberholung, der ersten an dem 1988 gebauten Instrument. Im Zuge der Überarbeitung werden auch mechanische Probleme behoben.
Die Orgel ist verschmutzt, weil Staub, der durch die Heizungsluft aufgewirbelt wird, in das Instrument gelangt ist.
Das hat auch zur Schimmelbildung geführt.
Die Verunreinigungen haben für ein müdes Klangbild gesorgt.
Ursache dafür ist der so genannte Bleifraß, wie Orgelbauer Paul Markowski erläutert. "Das ist wie eine Krankheit, die die Rohre befällt und immer weiter zerstört."
Wie Rost frisst sich der Schaden von innen nach außen, macht die Rohre porös, bis sie schließlich teilweise aufplatzen. Die Folge: Der Wind kommt bei den Pfeifen nicht mehr richtig an. Die Orgel klingt flau und kraftlos.
"Wir haben uns daher dazu entschieden, die Orgel gleich komplett überholen zu lassen", berichtet Klaus Lohmann. Daher tauschen die beiden Mitarbeiter der Firma Verschueren alle Bleirohre aus. Sie werden durch Leitungen ersetzt, die einen hohen Zinnanteil haben. Dadurch sind sie beständiger gegen den Fraß und länger haltbar. Rund 100 Rohre werden jetzt ausgetauscht und später wieder in das Instrument eingebaut, das derzeit eher wie ein Gerüst wirkt, weil eben alle Orgelpfeifen fehlen.
Rund vier Wochen werden die aufwändigen Arbeiten dauern. So lange schweigt das Instrument dann natürlich auch. Am Gottesdienst am Samstag spielt die Musikgruppe, in den anderen Heiligen Messen singt die Gemeinde a-capella oder zur Begleitung mit dem E-Piano.
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