Emmerich: Blick nach Brüssel
VON MARKUS BALSER - zuletzt aktualisiert: 07.02.2009Emmerich (RPO). Zusammen mit Parteifreunden aus Emmerich besuchte Karl-Heinz Florenz (CDU) gestern Katjes. Der EU-Parlamentarier will Auswüchse bei der Kennzeichnung von Lebensmitteln verhindern.
Von Emmerich bis Brüssel sind es knapp 250 Kilometer. Wie nah der Hauptsitz der Europäischen Union tatsächlich dem Niederrhein ist, wurde gestern bei einem Besuch des EU-Parlamentariers Karl-Heinz Florenz deutlich.
Zusammen mit Vertretern der hiesigen CDU, Bürgermeister Johannes Diks und Kreisvorsitzender Ulrike Ulrich war er zu Gast bei Katjes. Deren Geschäftsführer, Bastian Fassin und Tobias Bachmüller, blicken derzeit aufmerksam nach Brüssel. Denn dort werden zwei Gesetze vorbereitet, die nicht nur der Süßwarenindustrie, sondern auch vielen anderen Herstellern Kopfzerbrechen bereiten.
Karl-Heinz Florenz
Karl-Heinz Florenz ist seit 1989 Europaabgeordneter der CDU für NRW.
Er ist unter anderem Mitglied des Ausschusses für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit des EU-Parlaments.
Wie ein Beipackzettel
Es geht dabei um die Kennzeichnungspflicht von Lebensmitteln. Wie die künftig aussehen könnte, zeigte Klaus Reingen auf. Auch der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie war nach Emmerich gekommen und hatte Beispiele mitgebracht, um die es derzeit Diskussionen gibt. Etwa einen Schokoladennikolaus, den der Verbraucher auch wegen seines Aussehens kauft. Er könnte künftig auf dem Bauch einen nur wenig schmückenden Hinweis enthalten, wie viel Fett, Zucker oder Natrium in ihm enthalten ist. "Das schränkt die Hersteller sehr ein und schreckt den Verbraucher ab", kritisierte Reingen. Er hatte zudem eine Modell-Kaugummipackung dabei, deren von Brüssel geforderte Nährwertangaben fast dem Beipackzettel eines Medikamentes glich.
Auswüchse dieser Art will auch Karl-Heinz Florenz verhindern. Er hat eine Reihe von Änderungsvorschlägen formuliert, die bei der Beratung der Gesetze in der kommenden Woche eingebracht werden sollen. "Die Vorlage ist gerade mal 40 Seiten stark, es gibt dazu aber nahezu 1000 Änderungswünsche", erläuterte Florenz den komplizierten Gesetzgebungsprozess.
Der dürfte auch dadurch nicht gerade einfacher werden, weil es bei der Kennzeichnungspflicht nationale Sonderwege geben soll. Und das kann gerade kleineren Lebensmittelherstellern, die ihre Produkte auch exportieren, nicht Recht sein. Müssten sie doch dann für jedes belieferte Land eigene Verpackungen entwickeln. Ein enormer Kostenfaktor, wie auch die Katjes-Geschäftsführer bestätigten. Tobias Bachmüller und Bastian Fassin befürchten dadurch einen "Protektionismus durch die Hintertür", der Hersteller "reglementiert und diskriminiert".
Ebenso wie sie, sieht auch Karl-Heinz Florenz eine Forderung von Verbraucherschützern kritisch. Demnach sollen einzelne Lebensmittel anhand eines Ampelsystems in "gut" (grün) oder "schlecht" (rot) unterteilt werden. "Diese Einteilung ist zu pauschal. Vollkornbrot wäre demnach ein schlechtes Lebensmittel, Weißbrot ein gutes, weil in Weißbrot weniger Salz ist", erläutert Florenz.
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