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Emmerich: "Bloß nicht resignieren"

VON MICHAEL STEIN - zuletzt aktualisiert: 23.01.2012

Emmerich (RP). Bei der Betuwe wird es für Grundstücksbesitzer jetzt richtig ernst. Die Bahn will von ihnen Flächen für den Ausbau haben. In Haldern und Millingen hat sie bereits angefragt, bald wird wohl Praest folgen.

Um die dritte Trasse zu bauen, braucht die Bahn Grundstücke entlang der Strecke, auch in Emmerich und Rees.  Foto:  Archiv
Um die dritte Trasse zu bauen, braucht die Bahn Grundstücke entlang der Strecke, auch in Emmerich und Rees. Foto: Archiv

Wie sehr den Bürgern das Thema "Grundstücke" unter den Nägeln brennt, zeigte jetzt der gute Besuch einer Info-Veranstaltung in Millingen. Rund 50 Personen waren der Einladung von Andre Stempel gefolgt.

Der Millinger hatte die Bürgerversammlung für seine Nachbarn von Bongersweg und Bahnstraße organisiert. Hintergrund war ein Schreiben der Bahn von letzter Woche, in der die Anwohner aufgefordert werden, Teile ihrer Grundstücke für den Ausbau der Bahntrasse zur Verfügung zu stellen.

"Wir haben nur eine Chance unsere Interessen durchzusetzen, wenn wir alle an einem Strang ziehen", sagte Andre Stempel. "Es gibt bei uns allen unterschiedliche Ängste und Befürchtungen." Stempel kritisierte das wenig zufriedenstellende Schreiben der Bahn und ergänzte, dass es seiner Meinung nach damit nicht getan sei. "Die wollen noch mehr Grundstücke haben", so der Millinger und äußerte gleichzeitig die Befürchtung, dass die geplanten Baustraßen später nicht zurückgebaut würden und als Zufahrtswege dauerhaft bleiben könnten. "Lasst uns alle zusammenhalten", appellierte er an seine Nachbarn, "keiner darf umkippen, das ist unsere einzige Chance".

Info

Gutachter einschalten

Ein weiteres Bürgertreffen der Grundstücksbesitzer in Millingen ist in Planung.

Dazu sollen dann auch Vertreter der Bahn eingeladen werden.

Außerdem wird ein Gutachter eingeschaltet, der den Wert der Häuser vor und nach dem Gleisausbau ermitteln soll. Dadurch will man etwas Schriftliches in der Hand haben, wenn es zu Entschädigungsforderungen kommen sollte.

In Haldern sind die Briefe an die Grundstücksbesitzer bereits vor einem Jahr rausgegangen. Daher konnte Karl-Heinz Denstorf schon von ganz praktischen Erfahrungen berichten. Der Halderner erklärte, dass die Bahn von ihm 126 Quadratmeter Fläche kaufen möchte. Hierfür sollten 2,60 Euro je Quadratmeter gezahlt werden. "Ein Witz, wenn man bedenkt, dass alleine die Wiederherstellung des Baumbestandes nach einem mir vorliegenden Angebot 30 000 Euro kosten würde", sagt Denstorf.

Um sich für den Fall der Enteignung zu rüsten, sei eine Rechtschutzversicherung ratsam, die jedoch Verwaltungsrecht mit abdecken müsste.

Wie wichtig das Thema "Grundstücke" ist, zeigte der gute Besuch der Bürgerversammlung. Foto: Archiv

Der Halderner zeigte sich enttäuscht, dass bei ihm nicht alle Nachbarn beim Kampf gegen die Bahn-Pläne an einem Strang ziehen würden. Ähnliches zeigte sich am Ende der Bürgerversammlung in Millingen. Zwar war die Veranstaltung sehr gut besucht, doch am Ende trugen sich gerade mal 18 Interessierte in die ausliegenden Listen ein. "Viele haben irgendwie schon resigniert", erklärte ein sichtlich enttäuschter Andre Stempel. "Was sollen wir schon machen können?", hätten ihn einige Nachbarn gefragt.

Vermutlich werden auch Anwohner in Praest und Vrasselt in nächster Zeit Post von der Bahn bekommen. Denn auch dieser Abschnitt geht in die Planfeststellung. Das sei dann immer auch das Signal, die Briefe mit den Kaufangeboten zu verschicken, sagte ein Sprecher der Bahn. Einen genauen Termin für die Kaufanfragen konnte die Bahn noch nicht nennen. Sie betont aber, dass in jedem Brief auch der Hinweis enthalten sei, dass die Bahn zum persönlichen Gespräch bereit ist.

Quelle: RP


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