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Rees: Bund will Straf-Geld für laute Züge

VON SEBASTIAN LATZEL - zuletzt aktualisiert: 23.11.2011

Rees (RP). Eine Art Lärm-Maut wollen Verkehrsministerium und Bahn einführen. Im Dezember 2012 soll das System eingeführt werden, mit dem laute Züge teurer werden. Mit der Maut soll ein Anreiz geschaffen werden, die Wagen auf moderne "Flüstertechnik" umzurüsten.

Empels Ortsvorsteher Conny Meyboom glaubt nicht an die Ankündigungen der Bahn. Er befürchtet, dass immer mehr Züge durch seinen Ort rollen: "Leiser werden die bestimmt nicht", meint er.  Foto:  Klaus-Dieter Stade
Empels Ortsvorsteher Conny Meyboom glaubt nicht an die Ankündigungen der Bahn. Er befürchtet, dass immer mehr Züge durch seinen Ort rollen: "Leiser werden die bestimmt nicht", meint er. Foto: Klaus-Dieter Stade

Auch bei der Bahn haben die Verantwortlichen längst erkannt, dass mit Schutzwänden allein der Lärm an der Strecke nicht bekämpft werden kann. Wände bieten zwar tatsächlich den wirksamsten Schutz, sind aber nicht sehr dekorativ in der Landschaft und können ganze Ortsteile zerschneiden. Deshalb wird nach Alternativen gesucht.

Während innovative Technik wie der Lärmschutz direkt an den Schienen (Stegdämpfer) noch in der Erprobungsphase steckt, wird es an anderer Stelle bald ernst: an den Zügen selbst. Denn immer wieder klagen Anwohner, dass es vor allem die alten Güterzüge sind, die einen Höllenlärm verursachen. Das zeigte auch der RP-Lärmtest in Haldern, wo solche Züge die Spitzenwerte erreichten.

Info

Planfeststellung

Genehmigung: Beim Ausbau der Strecke soll es jetzt in Haldern ernst werden. Der Abschnitt kommt in die Planfeststellung, also die Genehmigungsphase.

Infoabend: Dazu veranstaltet die Bahn einen Infoabend am Donnerstag, 15. Dezember, im Gasthof Tepferdt in Haldern. Beginn ist um 18.30 Uhr.

Da setzt die Bahn jetzt an. Sie will die Frachtunternehmen da treffen, wo es auch weh tut: beim Geld. Deshalb wird es ab Ende 2012 ein so genanntes lärmabhängiges Trassenentgelt geben. Platt ausgedrückt: Je lauter ein Zug ist, desto teurer wird die Fahrt über die deutschen Schienen. "Wir wollen erreichen, dass die lauten, veralteten Züge von unseren Strecken verschwinden", sagt ein Bahnsprecher aus Frankfurt von der DB Zentrale.

Das will das Bundesverkehrs-Ministerium auch durch finanzielle Anreize erreichen. Wer seine Züge auf die leise Technik umrüsten lässt, erhält dafür Fördergelder. Und diese Gelder sollen eben aus dem Topf kommen, in den die "lauten" Züge einzahlen. "Reicht das Geld nicht, schießt das Ministerium die nötigen Finanzen dazu", so die Strategie der Bahn.

Bei rund 180 000 betroffenen Wagen in Deutschland betragen die Kosten für die Umrüstung mehr als 300 Millionen Euro.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer ist sicher: "Wir werden den Schienenlärm deutlich und spürbar verringern. Durch die Einführung von lärmabhängigen Trassenpreisen werden wir in einem Zeitraum von acht Jahren den Großteil der hier verkehrenden Güterzüge auf Flüstertechnik umgerüstet bekommen. Damit wird es überall leiser, nicht nur auf bestimmten Strecken", heißt es in einer Mitteilung.

In Bremstechnik investieren

Investiert werden soll vor allem in die Bremstechnik. Die alten Züge fahren noch mit Stahlbremsen, die das Problem haben, dass sie auf den Schienen reiben und dazu führen, dass kleine Teile Metall abgerieben werden. Die wiederum bleiben an den Rädern des Zuges hängen und sorgen dafür, dass die Bahn unrund und eben laut fährt.

Das Strafgeld für zu laute Züge sollen übrigens nicht nur deutsche Unternehmer zahlen. "Das Bezahlmodell betrifft alle Züge auf deutschen Strecken, also auch ausländische Unternehmen", so ein Bahnsprecher. Schließlich mache man die Beobachtung, dass es teilweise gerade die ausländischen Waggons sind, die besonders alt und laut sind.

Quelle: RP/jco


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