Haldern: Das Festival im Lindendorf wirft seine Schatten voraus. Erneut konzentrieren sich die Organisatoren weniger auf klangvolle Namen
VON SEBASTIAN LATZEL - zuletzt aktualisiert: 19.05.2007Haldern (RPO). Die Festivalmacher verstehen es wirklich, einem den Mund für das Open-Air wässrig zu machen. Zuerst gab es zarten Spargel mit leckerer Soße für die Presseleute, dann einen kleinen Film, der all das, was Haldern ausmacht in wenigen Minuten fokussierte: Landschaft, Entspanntheit und die Verbindung von Dingen, die auf den ersten Blick gar nichts miteinander zu tun haben. So sind in das Video Ausschnitte des Filmklassikers „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ eingewoben, der seine Schüler rhythmisch auf den Tisch klatschen lässt, was nahtlos ins Applaudieren vor der Bühne beim Auftritt der „Kaizer Chiefs“ in Haldern übergeht.
„Wir verknüpfen den rotwangigen Charme der Provinz mit urbaner Weitläufigkeit“, hieß es da – nicht der einzige rätselhafte Satz, der bei der Pressekonferenz fallen sollte, die offenbar auch viele Haldern-Fans mit Spannung daheim an den Computern sehnsüchtig erwartet hatten. Denn erstmals wurde die Vorstellung des Programm sogar per Liveticker „nach draußen“ übertragen und Halderns Computer-Berichterstatter Tobias Herbst hatte alle Finger voll zu tun, die Neugierigen im Internet bei Laune zu halten, als sich die Pressekonferenz verschob, weil eine Reihe von Gästen im Stau steckte. Das große Interesse im Internet hatte einen einfachen Grund: Viele fieberten dem großen Namen entgegen, der Überraschung, die an dem Abend womöglich bekannt gegeben werden sollte. Und natürlich hatte Haldern diese Überraschung parat. Nämlich, dass es eigentlich keinen großen Namen gab. „Viele werden fragen: Wo sind denn die Headliner?“, meinte Pressesprecher Wolfgang „Linne“ Linneweber:die Antwort gab er gleich selbst: „Wir brauchen keine, weil Haldern sich nicht bei einer bestimmten Zielgruppe einschmeichelt.“ Offenheit sei das Konzept. Und weil Haldern schließlich auch den Spruch „Festival ist Mannschaftssport“ geprägt hat, griff „Linne“ gleich auch zur deftigen Fußballersprache: „Man muss auch mal den Arsch in die Hose haben, so viel schräges Zeug auf die Bühne zu bringen.“ Und es folgte ein weiterer Haldern-typischer Satz: „Wo Musik nur noch der Streinbruch für Klingeltöne ist, muss Haldern eine Oase des Geschmacks sein.“
Die Festival-Bands
Zu den Bands, die vom 2. bis 4. August auf dem Reitplatz zu sehen sind gehören u.a. auch: Brakes, Duke Special, Editors, Get Well Soon, Ghosts, Grand Island, Naked Lunch, The Drones, The Earlies, The Electric Soft Parade, The Explorers Club, The Magic Numbers, The View Tunng. Alle Bands unter www.haldern-pop.de
Und man werde verschiedenste Geschmäcker bedienen, versicherten die Open-Air-Macher. Von den Alt-Folk-Rockern „Waterboys“ bis zu HipHopper Jan Delay reicht die Bandbreite, die nun mal Konzept sei. Stefan Reichmann vom Festivalteam rief daher dazu auf, sich einfach erst einmal auf die Bands einzulassen: „Die Bewertung sollte nach dem Konzert erfolgen.“ Ein erster Beweis, dass dieser musikalische Mix durchaus munden kann, wurde gleich beim anschließenden Konzert gebracht. Vier Bands zeigten auf der Bühne bei Tepferdt, was die Fans beim Festival so alles erwarten wird. Denn mit „Loney Dear“, „Two Gallants“ und „Shout Out Louds“ traten drei Bands auf, die auch beim Open-Air zu hören sein werden. Beim Live-Konzert bei Tepferdt offenbarte sich dabei eine Stilvielfalt, in der sicher auch Jan Delay seinen Platz finden wird.
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