Emmerich: Der Ille-Faktor ist weg
VON CHRISTIAN HAGEMANN - zuletzt aktualisiert: 29.09.2009Emmerich (RPO). 1989 füllte Johannes Rau den Rathaus-Vorplatz in Emmerich und hievte Ille Heering auf den Bürgermeister-Sessel. 20 Jahre später sagt SPD-Nachwuchs Jan Ludwig: "Vielleicht tut uns die Opposition ganz gut."
Der Satz ist eingegangen in die Emmericher SPD-Geschichte: "Ille muss Bürgermeister werden", rief 1989 der damalige NRW-Ministerpräsident Johannes Rau der Menge vor dem Rathaus zu. Ille Heering wurde Bürgermeister. Emmerich galt endgültig als "rote Stadt" im schwarzen Kreis Kleve.
Seit Sonntagabend ist Emmerich eine "schwarze Stadt". Mit 36,7 Prozent bei den Erstimmen und 29,8 Prozent bei den Zweitstimmen fiel die SPD deutlich hinter die CDU (42,9 Prozent/38,6 Prozent).
Die Tatsache, dass die SPD bei Bundestagswahlen immer auf eine breite Wählerschicht in Emmerich setzen konnte, ist Vergangenheit.
159 "Piraten"
In der Rubrik "Übrige" finden sich gelegentlich exotische Parteien.
Eine ist "Piraten": Die junge Partei wählten in Emmerich auf Anhieb 159 Menschen. Damit ist sie unter den Kleinen die größte.
Der NPD gaben in Emmerich 103 Wähler ihre Stimme. Danach folgt die Tierschutzpartei mit 83 Stimmen.
Die Schuld an dieser Entwicklung sehen erfahrene SPD-Mitglieder in einem deutschlandweiten Trend gegen die SPD.
Prozente der Linken fehlen
Faktoren vor Ort spielen keine Rolle. Meint zum Beispiel Udo Jessner, der vor einigen Jahren auch als Bürgermeister-Kandidat der SPD antrat. "Wenn man mal die Prozente der Linken dazu rechnet, dann sähe das schon anders aus." Zur Erinnerung: Die Linken haben in Emmerich acht Prozent bei den Zweitstimmen geholt.
Jan Ludwig (30), der neue Hoffnungsträger der Emmericher SPD, sieht es ähnlich. "Es gibt diesen Trend gegen die SPD." Und: "Es gibt nicht mehr die typischen SPD-Wähler oder typischen CDU-Wähler." Vielleicht sei es ganz gut, wenn sich die SPD nun in der Opposition wieder mehr auf eigene Positionen besinnen könne. "Die große Koalition hat der SPD mehr geschadet als der CDU. Es gab viele Kompromisse."
Gibt es Lehren, die die Emmericher SPD aus der Niederlage ziehen könnte?
Mit Blick auf die Zusammenarbeit mit der CDU im Emmericher Rat meint Ludwig: "Wir sollten weiterhin konstruktiv für die Stadt arbeiten. Kontroverse um der Kontroverse willen ist nicht sinnvoll. Man kann auch anders sein Profil schärfen."
Die Unterhändler der CDU, die derzeit nach möglichen Partnern im Rat Ausschau halten, werden es wohl gerne hören. CDU-Fraktionschef Gerd Gertsen, der der Verhandlungskommission angehört, meinte gestern lapidar: "Wir haben mit der SPD und der BGE ein Gespräch geführt, jetzt wollen wir in der kommenden Woche noch mit den Grünen und der FDP reden. Wir haben ja Zeit."
Zur Erinnerung: Der neue Rat trifft sich zum ersten Mal am 27. Oktober.
In der Hauptsache geht es darum, dass die CDU einen Partner findet, mit dem sie gemeinsam eine Mehrheit für den städtischen Haushalt finden kann.
Die SPD hat schon nach der Kommunalwahl am 30. August erklärt, dass sie dazu bereit ist.
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