Emmerich: Der Menschen-Fischer
VON LUTZ KÜPPERS - zuletzt aktualisiert: 05.05.2007Emmerich (RPO). Man kann über die Heile-Welt-Show von Gotthilf Fischer denken, was man will: Fest steht, dass er mit seinem Chorgesang die Menschen begeistert. So wie gestern auf dem Neumarkt, wo der Fischmarkt eröffnet wurde.
„Ach, das war schön, mal wieder die alten Volkslieder zu singen.“ Die ältere Dame, die es sich mit ein paar Freundinnen an einer der Biertisch-Garnituren auf dem Neumarkt gemütlich gemacht hatte, stand mit ihrer Meinung nicht alleine da. Im Gegenteil. Denn Gotthilf Fischer, der bereits zum dritten Mal beim Fisch(er)markt in Emmerich gastierte, schaffte es auch gestern wieder mühelos, die vornehmlich ältere Generation für altbekannte Lieder und Weisen zu begeistern. 40 Minuten ließ er die (übersichtlichen) Massen das Schöne auf der Welt besingen, ehe er nach ein paar Autogrammwünschen schon zum nächsten Engagement düste.
Lieder, Medleys, Posen
Dabei sprüht der fast 80-jährige Schwabe immer noch vor Energie. Immer wieder peitsch er die Emmericher Version der Fischer-Chöre mit seinen dirigierenden Händen ein. Animiert. Motiviert. Folge: Aus dutzenden Kehlen schallt es weinselige Lieder oder Medleys, in denen die Schönheit des Rhein besungen wird. „Seid ihr drauf?“, fragt er in bester Entertainer-Manier, um im nächsten Moment beim „Treuen Husar“ die ersten Takte durch zu marschieren. Dabei steht er auf einer Mini-Bühne vor dem Wagen von Aal-Hinnerk, wo es schon bald Fische nach bester Hamburger Tradition regnen soll. Zwischendurch gibt er alle möglichen und unmöglichen Posen für die Fotografen.
„Ich ernenne euch zu Ehrenmitgliedern der Fischerchöre“, ruft der Sohn eines Zimmermanns in die Menge, nachdem der Auftakt mit „Das Wandern ist des Müllers Lust“ geklappt hatte. Musik – und auch eine Menge Chorgesang – wurde von Assistentin Esther Müller immer wieder brav vom Band eingespielt. Doch eine gewisse Spontanität kann man dem Menschen-Fischer, der das Publikum schnell auf seine Seite zieht, auch nicht absprechen. Problemlos integriert er den Hörerwunsch „Hoch auf dem gelben Wagen“ ins Programm. Und als ein Rollstuhlfahrer mit kräftigem Organ „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ anstimmt, gibt es spontanen Applaus vom „Herr der singenden Heerscharen“, wie er auf seiner eigenen Homepage bezeichnet wird.
„Ihr werdet immer besser“, pusht Fischer gegen Ende des 40-minütigen Auftritts noch einmal sein Publikum, das sich nur zu gerne von ihm mitreißen lässt. Ein Medley „für unsere Gäste aus Oberschlesien“ streut er noch fix ein, in dem es um hohe Tannen und den Böhmerwald geht. Der Rest ist Verbeugung, Verabschiedung und Verteilung von Autogrammkarten. Dann gehen viele Emmericher fröhlich nach Hause: „Ach, das war schön.“
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