Emmerich: Die Angst geht um
VON LUTZ KÜPPERS - zuletzt aktualisiert: 02.06.2007Emmerich (RPO). Die Katholiken im Emmericher Süden stehen bald unter der Verwaltung aus der Innenstadt. Die Betroffenen fürchten das, was danach noch folgt. Stadtpfarrer Kossen versucht zu beruhigen. Er spricht von „Pastoralzentren“.
Fusion schon 2005
Seit dem 2. Oktober 2005 besteht die neue, fusionierte Gemeinde St. Johannes der Täufer Emmerich.
Sie setzt sich aus St. Antonius Vrasselt, St. Johannes Baptist Praest und St. Johannes der Täufer Dornick zusammen. Die neue Hauptkirche steht in Vrasselt. Dornick und Praest gelten seit der Fusion als Filialkirchen.
Die Mitglieder von Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat waren nicht begeistert: Da mussten sie aus der RP erfahren, dass ihre erst im Oktober 2005 fusionierte, neue „St. Johannes der Täufer“-Pfarre – bestehend aus den ehemaligen Gemeinden Vrasselt, Praest und Dornick – bald unter Verwaltung von Stadtpfarrer Peter Kossen steht. Und dass der Geistliche auf Anfrage eine spätere Fusion der drei „Südstaatler“ mit seiner Stadtpfarre St. Christophorus als wahrscheinlich bezeichnet hatte.
Gestern ruderte Kossen in einem Pressegespräch zurück: „Es gibt derzeit keinen Handlungsdruck für eine Fusion.“ Da dürften ihm auch noch die Worte der Betroffenen beim Treffen am Abend vorher in den Ohren geklungen haben.
Sie haben Angst, dass bei einer weiteren Fusion erneut Ehrenamtler aus Kirchenvorstand oder Pfarrgemeinderat verschwinden Denn bereits bei der Verschmelzung von Praest, Vrasselt und Dornick zu „St. Johannes der Täufer Emmerich“ reduzierte sich die Zahl der Helfer, die beispielsweise für die Verwaltung von Kindergärten oder Pfarrheimen zuständig waren, von 18 auf 8. Wobei die ehrenamtliche Arbeit gleich blieb. Und diesen Aderlass möchte man nicht noch einmal erleben.
Doch Realität und Zukunft sehen anders aus. Woran der Priestermangel schuld ist. „Es wird irgendwann in Zukunft nur noch Pastoralzentren in den größeren Städten wie Emmerich, Rees oder Kalkar geben. Es ist einfach nicht das Personal da für einen Pfarrer in jedem Dorf“, so Kossen.
„Es sieht einfach mit dem Nachwuchs beim Klerus nicht gut aus“, stimmt ihm Pfarrer Paul Seesing zu, der noch einige Wochen als Pfarrverwalter in den Südstaaten tätig ist. Dann übernimmt Kossen. Und dieser hat für Praest, Vrasselt und Dornick die Zukunft ausgerufen. „Wegen des Priestermangels wird’s keinen neuen Pfarrer geben.“
Die Zukunft: ab heute 17 Uhr
Zwar wäre es möglich gewesen, den neuen Vicarius cooperator Thomas Obermeyer mit einer halben Stelle an St. Johannes zu binden. Doch auf diese Möglichkeit wurde verzichtet. Wegen der Zukunft. Weil man lernen muss, irgendwann ohne eigenen Pfarrer auszukommen. Dabei hat die Zukunft längst begonnen: Kossen predigt heute in Praest. Um 17 Uhr.
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