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Emmerich: Die Schatzkammer schließt sich

VON CHRISTIAN HAGEMANN - zuletzt aktualisiert: 18.10.2008

Emmerich (RPO). Die Buchhaltung im Rathaus wird gerade ins moderne Zeitalter katapultiert. Das merkt derzeit zwar niemand, aber irgendwann könnten es die Bürger im Portemonnaie fühlen. Zum Beispiel bei der Heirat.

Melanie Berk, Kämmerer Ulrich Siebers und Stefan Gürtzgen sind bei der Stadt für die Umstellung des Rechenwesens verantwortlich.   Foto: RPO
Melanie Berk, Kämmerer Ulrich Siebers und Stefan Gürtzgen sind bei der Stadt für die Umstellung des Rechenwesens verantwortlich. Foto: RPO

Die Finanzen einer Stadt sind eine komplizierte Geschichte. Und irgendwie altmodisch verwaltet. Das sagt zumindest das Wort: Es handelt sich nämlich um eine „kameralistische Buchführung“. Kameralistik kommt vom lateinischen „camera“ und bedeutet so viel wie „fürstliche Schatzkammer“.

Und so könnte man sich das auch vorstellen – natürlich überspitzt formuliert. Bis jetzt schaut der Kämmerer (das ist der Mann fürs Geld im Rathaus) täglich in der Schatzkammer nach, wie’s denn da drin so aussieht. Ist der Haufen mit dem eingenommenen Geld genauso groß wie der für die Ausgaben, ist alles in Ordnung. Dann macht er die Tür wieder zu.

Info

Wer hätte das gedacht?

Die Inventur im Rathaus hat ein paar interessante Zahlen erbracht.

In Emmerich gibt es zum Beispiel 4000 Leuchten. 2520 gehören der Stadt, der Rest den Stadtwerken.

In der Stadt gibt es exakt 4908 Straßenschilder.

Dazu kommen 14 Bodendenkmäler. Damit bezeichnet man historische Funde im Boden.

Wie in einer Firma

Ob das Geld in ein paar Jahren immer noch da ist, kann er auf diese Weise nur schwer schätzen.

Das ändert sich jetzt. Schluss mit der „camera“. Jetzt gibt es „NKF“, was so viel heißt wie „Neues kommunales Finanzmanagement“. Es verwandelt die Schatzkammer in die Zentrale einer großen Firma. Künftig funktioniert die Buchhaltung der Stadt Emmerich im Prinzip wie die von Probat oder Katjes. Nur mit dem Unterschied, dass die Stadt nicht an Gewinnmaximierung interessiert ist.

Wochenlang haben die Mitarbeiter aus dem Finanzbereich im Rathaus alles aufgelistet, was der Stadt gehört. Vom Straßenschild über die Schule bis zum kleinsten Baum – einfach alles. Das Ergebnis: Die Stadt Emmerich besitzt ein Vermögen von mehr als 150 Millionen Euro. Das hört sich auf dem Papier nach viel an, heißt aber nicht, dass die Stadt Emmerich deshalb reich ist. Denn an der echten Finanzlage ändert sich nichts. Einnahmen und Ausgaben lagen bislang immer bei etwa 45 Millionen Euro. Das bleibt. Was sich jetzt überschauen lässt, ist, über welche Werte die Stadt verfügt. Und: Es lässt sich klar erkennen, dass diese Werte im Laufe der Jahre immer weniger werden. Der Grund: Die Stadt verkauft seit Jahren Grundstücke oder Beteiligungen, um an Geld zu kommen. Das hilft Jahr für Jahr. aber irgendwann ist nichts mehr da. Das nennt man einen „strukturell nicht ausgeglichenen Haushalt“.

Was sich noch erkennen lässt: Jede Neuanschaffung verliert im Laufe der Jahre an Wert und muss neu gekauft werden. „Abschreibung“ heißt das. Macht jede Firma so, war bislang im Haushalt einer Stadt aber nicht vorgesehen. Folge: Die schlechte Finanzlage wird noch deutlicher als bislang.

Ein dritter, für die Bürger wichtiger Punkt: Klar wird bald auch, wo im städtischen Haushalt echte Lücken entstehen, die bei kaufmännischer Betrachtung gar nicht sein müssten. Zum Beispiel im Standesamt: Da decken die Gebühren nicht einmal mehr die Kosten. Obwohl das ja – in gewissem Sinne – eine Dienstleistung ist.

Wer sich auf dem Standesamt das Ja-Wort gibt, könnte also irgendwann tiefer in die Tasche greifen müssen. Denn die Schatzkammer ist geschlossen worden.

Quelle: RP

 
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