Rees: Diesmal ohne Rammbock
VON SEBASTIAN LATZEL - zuletzt aktualisiert: 11.02.2010 - 16:51Erstmals musste sich der neue Bürgermeister Christoph Gerwers dem Ansturm der Möhnen stellen. Doch auch er hatte keine Chance. Die Narren raubten den Schlüssel und stürmten das Bürgerhaus.
Kommunalwahl? Egal. Vereidigung im Rat? Kinkerlitzchen. Bilanz nach 100 Tagen? Nebensache. Die wirklich echte Feuertaufe für einen neuen Reeser Bürgermeister ist der Ansturm der Narren an Altweiber.
Und Christoph Gerwers hatte sich gut vorbereitet. Den großen Schlüssel zum Rathaus ließ er keine Sekunde aus den Augen. Auch weil gut unterrichtete Kreise immer wieder kolportierten, dass sein Vorgänger Dr. Bruno Ketteler nur das Handtuch geschmissen hatte, weil ihm die Möhnen immer den Schlüssel gestohlen hatten.
Gefragtes Stück
Gerwers dagegen hatte das gefragte Stück fest im Griff, als die Prinzenpaare Sven und Nicole und Joseph und Andrea aus Haffen und Haldern samt der Narren aus Bienen und Millingen das Rathaus stürmten.
Biener Rache
Was wäre Karneval ohne die Meybrüder aus Bienen? Die hatten sich diesmal mächtig darüber geärgert, dass ein Bekannter stichelte: „Rees kennt man überall, beim Urlaub im Allgäu kam sogar Reeser Tröpfchen auf den Tisch.” Die Mey-Brüder konterten. „Das ist doch gar nix. Weißt du, was in Italien morgens auf den Tisch kommt? Bienenhonig.”
Der Angriff machte dem Bürgermeister keine Angst. Schließlich war er von seinem Arbeitsplatz in Willich ganz andere Kaliber gewohnt. Dort stürmen die Narren das Schloss nämlich immer gleich mit einem dicken Rammbock und lassen der Verwaltung keine Chance. Mit diesen Erfahrungen im Rücken stellte sich Gerwers locker dem Sturm der Narren. Er warnte sie eindringlich. „Alle Kollegen sind infiziert, von einem hochansteckenden Virus.” Der habe sämtliche Systeme befallen. Die Folge: „Wir können nicht telefonieren nur bützen. Wir können nicht mailen nur noch schunkeln”, sagte Gerwers mit Blick auf den hartnäckigen Computer-Virus, der derzeit in der Stadtverwaltung sein Unwesen treibt.
Vom Virus infiziert
Die Narren schreckte das wenig. „Ich bin selbst vom Virus befallen”, sagte ein hörbar heiserer Haffener Karnevalspräsident Manfred Bockting. „Vom Karnevalsvirus, den werden wir jetzt weiter verbreiten”, rief er sehr zur Freude der Jecken im Rathaus. Und die letzten Hoffnungen auf eine sturmfreies Rathaus machte die stellvertretende Bürgermeisterin Mariehilde Henning zunichte, die an der Spitze einer Frauentruppe ins Rathaus einzog und lauthals sang: „Heut ist der Tag der Frauen, die Männer werden staunen.” Da staunte auch der Bürgermeister, dem im Nu der Schlüssel entwendet war. Das Startzeichen für die Feier im Bürgerhaus, die diesmal vom Kulturamt vorbereitet worden war. Das Team um Commander Beltermann hatte sich für eine Reise ins Weltall entschieden.
Kein Wunder, dass dann später im saal so manche Rakete zündete. Dafür sorgte auch die Band „Public Affair”. Denn nach vielen Jahren mit Musik aus der Konserve setzten die Narren diesmal wieder auf Live-Musik, was bestens ankam.
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