Rees: "Doktor" war Hochstapler
VON SEBASTIAN LATZEL - zuletzt aktualisiert: 03.12.2009Rees (RPO). Der Therapeutische Leiter der Drogenklinik Horizont in Rees hat zwei Jahre lang die Verantwortlichen hinters Licht geführt. Er war kein Psychologe, sondern Goldschmied.
Es sah zunächst alles nach einem Routinefall aus. Bei einer Polizeikontrolle war ein Mann aufgefallen, der keinen Führerschein hatte. Also wurde ein entsprechendes Verfahren eingeleitet. Routine halt. Als wenig später der selbe Fahrer dann erneut im Auto erwischt wurde, stutzten die Beamten. Denn der Mann kam vom Hof der Klinik Horizont gefahren. Ein Mitarbeiter der Klinik, der ohne Führerschein unterwegs ist? Da bohrten die Beamten nach und förderten Unglaubliches über den Mann zu Tage, der therapeutischer Leiter der Drogenklinik Horizont war.
Haftstrafe wegen Drogendelikt
Die Beamten stießen im Computer auf eine Haftstrafe, pikanterweise wegen eines Drogenvergehens. Außerdem fand die Polizei heraus, dass der Doktortitel eine dreiste Fälschung ist. Auch Psychologe ist der angebliche "Doktor" nicht, weil er gar nichts studiert hat, sondern gelernter Goldschmied ist.
Als Heinrich Schnieders, Geschäftsführer der Pro Homine GmbH, zu der auch Horizont gehört, davon erfuhr, fiel er aus allen Wolken. Am Montag kündigte er dem Mitarbeiter fristlos und schaltete einen Anwalt ein. Die Kündigung überreichte Schnieders dem angeblichen Doktor der Psychologie persönlich. Er habe die Entlastung ohne Regung entgegengenommen, so Schnieders auf RP-Nachfrage. "Ich habe es ganz kurz gemacht, zur Sache gesagt hat der Mann nichts. Er hat es aber auch nicht geleugnet."
Seit dem 15. Januar 2008 arbeitete der 56-Jährige bei der Drogenklinik. Dass er wohl ein Hochstapler war, war bei der Einstellung nicht aufgefallen. "Zeugnisse und Lebenslauf waren lückenlos, er hatte auch eine Kopie der Promotion beigelegt", sagt Schneiders. Den Doktor in Psychologie hatte er angeblich an der Universität in Nürnberg gemacht.
Man habe keinen Anlass gehabt, an den Angaben zu zweifeln. So arbeitete der Mann fast zwei Jahre lang als "Psychologischer Psychotherapeut Dr. Siegfried L." in der Einrichtung. Zu seinen Aufgaben gehörten unter anderem Therapiegespräche mit den Drogenabhängigen. Das soll er sogar richtig gut gemacht haben. Es habe viel Lob von den Patienten gegeben.
Inzwischen scheint es so, dass er seine psychologischen Erfahrungen wohl im Milieu selbst gesammelt hat. Er war nämlich wegen eines Drogendeliktes vorbestraft. Die Kenntnisse über Arten der Gesprächsführung soll er aus eigenen Erfahrungen in der Therapie haben.
Seine "Erfolge" in der Behandlung hatten den Mann wohl richtig selbstbewusst gemacht. Er soll sogar mit dem Gedanken gespielt haben, eine eigene Praxis als Psychotherapeut in Rees zu eröffnen. Angeblich waren bereits die Praxisschilder angebracht. Dem Vernehmen nach soll er dann von dieser Idee Abstand genommen haben, weil er eine kassenärztliche Zulassung gebraucht hätte. Dabei wäre dann auch der falsche Doktortitel aufgefallen.
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