Rees: „Durchstich bedroht Ökologie”
VON SEBASTIAN LATZEL - zuletzt aktualisiert: 14.05.2008Rees (RPO). Die anstehenden internationale Konferenz für Natur- und Artenschutz nahmen die Grünen in ganz Nordrhein-Westfalen zum Anlass, auf besonders gefährdete Gebiete hinzuweisen.
Sie haben teilweise bundesweit für Schlagzeilen gesorgt: Kammmolche, Fledermäuse oder der Feldhamster, die durch die Zerstörung der Landschaft ihren Lebensraum verlieren. „Oft wird so etwas einfach belächelt, doch viele vergessen, dass diese Tiere ganze biologische Systeme repräsentieren“, sagt Ute Sickelmann, Grünen-Ratsfrau aus Emmerich, die auch im Regionalrat vertreten ist.
Wenn diese Tiere sterben, stehe das nämlich für das Aussterben ganzer Arten. Und um das zu stoppen, findet ab dem 19. Mai in Bonn die internationale UN-Natur- und Artenschutzkonferenz teil. Anlass für die Grünen, im Vorfeld noch einmal auf das Problem aufmerksam zu machen.
Elf Standorte in Nordrhein-Westfalen ernannten die Grünen-Landtagsabgeordneten gestern symbolisch zum „Erdeschutzgebiet“. Der Landtagsabgeordnete Oliver Keymis hatte sich dafür die Haffen’sche Landwehr ausgesucht, weil dieses „ökologische Kleinod“ durch den Durchstich bedroht sei.
„Wenn sich nämlich das nährstoffreiche Gewässer der Landwehr mit dem grundwassergespeisten Reeser Meer verbindet, führt das zu Problemen“, sagt auch Wilhelm Wißen vom NABU. Dann seien auch die seltenen Muschelarten in der Landwehr bedroht. Die Abgeplattete Teichmuschel habe bis zu ihrer Entdeckung in der Landwehr bereits als ausgestorben gegolten. Das zeige die Bedeutung des Gewässers für die Flora und Fauna.
Die Landzunge zwischen den beiden Seen spielt eine wichtige Rolle bei den Planungen für den Ferienpark am Reeser Meer. Um die Attraktivität der Anlage zu steigern, sollen die beiden Seen miteinander verbunden werden und eine riesgie Fläche bilden, die größer als der Baldeney-See ist.
„Genehmigung überdenken“
Mitte der 90er Jahre gab der Kreis die Genehmigung zum Durchstich. Der ist allerdings bislang nicht erfolgt, auch weil die Planungen zum Ferienpark immer mal wieder hakten. Die Grünen sind daher der Ansicht, dass die Genehmigung auch nicht mehr automatisch gelten könne. „Es kann doch nicht sein, dass die Genehmigung nie wieder überprüft wird, ob sich nicht inzwischen die Voraussetzungen geändert haben“, sagt der Reeser Grünen-Fraktions-Vorsitzende Helmut Wesser.
Kritisiert wurde auch, dass bereits mehrere Investoren gescheitert seien. Das müsse Anlass genug sein, die Planungen für den Park noch einmal grundsätzlich zu überdenken.Info: Die Bedingung
Die Haffen’sche Landwehr verläuft auf der Landzunge, die derzeit noch die beiden Seen des Reeser Meeres trennt.
Im Zuge des Ferienparks soll die Landwehr durchstochen werden.
Die Genehmigung dafür liegt schon lange vor. Allerdings gibt es die Bedingung, dass vor dem Durchstich mindestens 50 Häuser am Ferienpark stehen müssen.
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