Rees: Echte Kracher im Lindendorf
VON OLE ENGFELD - zuletzt aktualisiert: 23.01.2012Rees (RP). Leise kann auch laut sein, hatten die Veranstalter vor dem Konzert versprochen. Sie hielten Wort: Bei den Bands im Saal Tepferdt ging es richtig zur Sache. Dreimal gab es die volle Ladung Rock, einmal gab es ruhiger Töne, um Kraft zu tanken für Kraftklub. Die RP präsentierte das Konzert.
Es ist eindeutig ein Appetithappen fürs Festival. Das schon zur Tradition avancierte "Rock im Saal" gehört zum festen Bestandteil in der lindendörflichen Musikszene. Vertröstet es die hartnäckigen Festivalgänger über den Winter hinweg, dient es anderen als ein Abend mit musikalischen Rockfeinheiten.
Und als kleiner Bruder des Haldern Pop Festivals braucht es sich nicht zu verstecken. Gerade bei Zugpferden wie der Chemnitzer Band "Kraftklub" bewahrt es die Treue zum musikalischen Feingefühl. Ein ausverkaufter Saal am Samstag war das Resultat.
Das Kleinfestival zeigte sich vielschichtig und leider etwas schnelllebig. Die britischen "Flashguns" brachten es gerade mal auf eine halbe Stunde Spielzeit. Dabei entpuppte sich der Opener als wahrer Kracher. Aggressives Schlagzeug, klagende Gitarre und stämmiger Bass sind die Mittel des Garagen-Rocks, die zum Zuge kamen. Schade, dass sich die Band auflöst und in Haldern ihr vorletztes Konzert gab.
Mit Sause
Nach den Konzerten ging die Fete weiter. Fast schon zur Tradition geworden ist die Sause nach dem offiziellen Teil.
Mit Musik aus der Kiste feierten viele Gäste noch bis spät in die Nacht weiter. Auch diesmal blieben etliche Besucher, um an der After-Show-Party teilzunehmen.
Weiter ging es dann mit "Kill it Kid". Das Quartett gehört zu den Vertretern des harten Rocks. Sie sind musikalisch mit Triggerfinger zu vergleichen. Nur dass bei ihnen die Stimme der Sängerin Stephanie Ward dominierte. Aggressiv und eindringlich bezauberte sie nicht nur mit ihrem Gesang. Es waren verzerrte Gitarren und kräftige Stimmen, die sogar einen Hauch "Ramones" erkennen ließen.
Experimenteller waren "Emanuel & the Fear". Die Amerikaner sind jüngst bei Haldern Pop unter Vertrag genommen worden und spielten schon zweimal in der Pop-Bar. Dramatisch und orchestral präsentierten sie sich auf der Bühne und stachen damit etwas aus dem Gesamtbild heraus. Die Fans konnten etwas verschnaufen und Kraft tanken für Kraftklub. Denn die Band führte den Saal dann am Ende wieder zurück zu härteren Klängen. Sie überzeugen mit gesellschaftskritischen Texten in ihren Liedern. Es ist Musik zum Auf- und Abgehen, was die Menge im Saal des Gasthof Tepferdts dankend annahm. Kraftklub posaunt von Drogendiscos, Kommerzgesellschaft oder Mainstream-Verhalten. Es ist ein sich ständig fortlaufender roter Faden.
Die Lieder sind melodisch kaum auseinander zu halten und doch fiel auf, dass am Ende der Setlist noch was fehlte. Bei der Hitsingle "Ich will nicht nach Berlin" als Zugabe waren die 700 Gäste dann kaum noch zu halten.
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