Emmerich: Enttäuschender Betuwe-Gipfel
VON JÖRG WERNER - zuletzt aktualisiert: 01.02.2011 - 14:52Emmerich (RPO). Nach eineinhalb Stunden verließen die ersten Zuhörer erbost den Saal der Dinslakener Kathrin-Türks-Halle. Der Betuwe-Gipfel brachte gestern kaum Antworten, ließ aber reichlich Fragen offen.
In trauter Eintracht referierten die CDU-Bundestagsabgeordnete Sabine Weiss und Michael Groschek, ihr Kollege von der SPD, die Ergebnisse des Betuwe-Projektbeirats, der, wie berichtet, in der vergangenen Woche getagt hat.
- Das dritte Gleis an der Schienenstrecke zwischen Oberhausen und Emmerich kommt.
- Die Finanzierung ist gesichert, wenn Baurecht geschaffen ist.
- Noch in diesem Jahr gibt's auf acht Streckenkilometer Lärmschutz in Form von Schienenstegdämpfern, die den Lärm um vier Dezibel senken.
- Die Bahnübergänge an der Strecke werden zeitnah beseitigt.
- Die Sicherheit an der Strecke wird nach allen Regeln der Technik gewährleistet, wobei die Bahn die Anregungen der Feuerwehren an der Strecke berücksichtigen wird.
Das waren die guten Botschaften, die freilich keiner der vielen Betroffenen, die zum Betuwe-Gipfel gekommen waren, so recht glauben mochte. Die Stimmung reichte von gedämpftem Optimismus bei Hamminkelns Bürgermeister Holger Schlierf, der als Vorsitzender der kommunalen Betuwe-Arbeitsgruppe an der Projektbeiratssitzung teilgenommen hatte, bis zur völligen Enttäuschung derjenigen, die sich endlich konkrete Antworten erhofft hatten, sie nicht bekamen und schließlich erbost den Saal verließen.
Bahn im Feuer der Kritik
Auch wenn Rainer Latsch, Konzernbevollmächtigter der Bahn AG für Nordrhein-Westfalen, und Betuwe-Projektleiter Stefan Ventzke sich mühten, die Skeptiker zu beruhigen: Die beiden Bahnvertreter standen wieder im Feuer der Kritik und das umso mehr, als derjenige auf dem Podium fehlte, der den Menschen tatsächlich konkrete Zusagen hätte machen könnte – ein Vertreter des Bundesverkehrsministeriums. Gekommen war dagegen Landesverkehrsminister Harry Voigtsberger, der immerhin mitteilen konnte, dass er in seinen Gesprächen mit Bundesverkehrsminister Ramsauer den Eindruck gewonnen habe, dass sich in Berlin die Erkenntnis durchgesetzt habe, dass an der Betuwe-Linie endlich etwas geschehen müsse. Wie Michael Groschek wies auch Voigtsberger darauf hin, dass die Vorgänge um das Bahn-Großprojekt "Stuttgart 21" die politische Wahrnehmung derartiger Infrastrukturvorhaben verändert hätten.
Eines machte der Gipfel allerdings klar. "Ohne Baurecht wird man keinen Skeptiker überzeugen können", brachte es Werner Kühlkamp, Verkehrsexperte der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer, auf den Punkt. Das Planfeststellungsverfahren hat aber noch gar nicht begonnen. Im zweiten Quartal dieses Jahres könnte die Bahn laut Ventzke soweit sein, dass es losgehen kann. Dann wird's konkret. Die Bürger würden, so versicherten die Bahn-Vertreter und der Landesverkehrsminister, auf jeden Fall intensiv beteiligt.
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