Rees: Fall Gülsüm: Es war kein Sexualverbrechen
VON KATJA KÖLLEN - zuletzt aktualisiert: 06.03.2009 - 11:57Nach dem Fund der Frauenleiche in einem Wäldchen bei Rees geht die Mordkommission der Polizei Krefeld nach ersten Untersuchungen nicht von einem Sexualverbrechen aus. Wie ein Sprecher auf Anfrage unserer Redaktion verriet, gebe es darauf "keine konkreten Hinweise".
Die 20 Jahre alte Gülsüm Semin, die am Mittwochabend tot aufgefunden wurde, war zudem nicht als vermisst gemeldet. Die junge Frau stammt aus der Südosttürkei. "Wir konnten das Opfer so schnell identifizieren, weil sie Ausweisdokumente bei sich trug", sagte ein Sprecher der Behörde.
Gülsüm kommt aus einer kurdisch-muslimischen Familie, die in Rees nicht unbekannt ist. Im Mai 2006 setzten sich Mitschüler der Rheinschule dafür ein, dass die ältere Schwester von Gülsüm nicht in die Türkei abgeschoben wird. Die Schüler fürchteten, dass der jungen Frau dort eine Zwangsheirat drohe. Sie durfte bleiben.
Die Kriminalpolizei fragt: Wer hat Gülsüm Semin am 3. oder 4. März gesehen?
Wer kann etwas zu Begleitpersonen der jungen Frau sagen?
Wer kennt Gülsüm Semin und kann etwas zu ihrer Lebenssituation, Bekanntschaften und Kontakten sagen?
Hinweise erbittet die Mordkommission unter der Telefonnummer 02821-5040.
Entgegen erster Vermutungen soll die Leiche von Gülsüm Semin nur maximal zwei Tage in dem Waldstück an der Groiner Allee gelegen haben. Dies würde auch erklären, warum die Familie noch keine Vermissten-Anzeige aufgegeben hatte.
Das Wäldchen, in dem ein Landwirt am Mittwoch gegen 15 Uhr die Leiche bei einem Spaziergang fand – der Hund schlug an der Stelle an – liegt etwa einen Kilometer vom Reeser Stadtrand entfernt an der Groiner Allee. Am Ende eines Feldweges, der sich mit dem Auto befahren lässt, lag die 20-Jährige. Sie war mit Zweigen und Blättern bedeckt. Ob die junge Frau im Wald getötet worden ist oder ob ihre Leiche später dorthin gebracht wurde, ist noch nicht klar.
Die Polizei in Krefeld hat eine Sonderkommission gebildet. Sie untersuchte am Mittwoch Abend den Fundort akribisch. "An so einer Stelle kann alles wichtig sein oder wichtig werden. Deshalb müssen die Umstände exakt festgehalten werden", erklärte ein Sprecher.
Leiter der Mordkommission ist Günter Kranz. Der Hauptkommissar ist im Kreis durch einen Mordfall bekannt geworden, der sich im Dezember 2005 in Straelen ereignet hatte. Ein damals 17-Jähriger hatte einen 19-Jährigen erstochen. 13 Monate später stellte sich der Täter.
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