Rees: Falscher Doktor vor Gericht
VON SEBASTIAN LATZEL - zuletzt aktualisiert: 24.08.2010Rees (RPO). Der Fall hatte Ende 2009 für viel Aufsehen gesorgt. Der therapeutische Leiter der Drogenklinik Horizont hatte sich die Stelle mit gefälschten Bewerbungsunterlagen erschlichen. Ab heute muss sich der Hochstapler vor Gericht verantworten.
Im ersten Verfahren war der Angeklagte noch mit einem "blauen Auge" davon gekommen. Der falsche Doktor hatte sich wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verantworten müssen. Das Gericht verurteilte ihn zu acht Monaten auf Bewährung. Vor allem, weil er geständig und kooperativ war, setzte die Richterin die Strafe zur Bewährung aus.
Und auf eine Bewährungsstrafe hofft der 56-Jährige auch in der Verhandlung, in der es ab heute darum geht, dass er sich als Doktor ausgegeben und so die Stelle als therapeutischer Leiter in der Drogenklinik Horizont erschlichen hatte. "Ich habe Blödsinn gemacht" hatte der 56-Jährige gegenüber der RP erklärt und angekündigt, auch in der Hauptverhandlung reinen Tisch zu machen.
Der Fall hatte Ende 2009 auch überregional für großes Aufsehen gesorgt. Bei einer Routine-Autokontrolle war zunächst aufgefallen, dass der Mann keinen Führerschein hatte. Als ein Polizeibeamter daraufhin weiter ermittelte, kam eine wahre Lawine ins Rollen. Es fiel nämlich auf, dass der Mann nicht nur keinen Führerschein hat, sondern auch keinen Doktortitel und keine therapeutische Ausbildung. Dabei war der gebürtige Bayer therapeutischer Leiter einer Einrichtung für Drogenabhängige. Die Ermittlungen ergaben: Er hat gar kein Studium absolviert, hat nicht einmal Abitur. Die Klinik kündigte ihm daraufhin fristlos.
Gelernt hat er Goldschmied, aber nach der Ausbildung nie in dem Beruf gearbeitet. Er schlug sich mit verschiedenen Jobs durch, war unter anderem Lastwagenfahrer, und geriet irgendwann an Drogen. Er machte eine Therapie und hat wohl dort die Kenntnisse erworben, die er später in der Praxis einsetzte. Als so genannter "Ex-User" (Früherer Drogenabhängiger) arbeitete er als Pfleger in einer Fachklinik für Drogenabhängige in Ottobeulen. Danach in der Forensik des Bezirkskrankenhauses Kaufbeuren. Dort lief der Vertrag nach einem Jahr aus. Der 56-Jährige versuchte eine neue Stelle zu finden, schrieb haufenweise Bewerbungen. Als er nur Absagen bekam, kam er auf die Idee, seine Bewerbungen aufzupeppen.
Die nötigen Unterlagen kopierte er einfach zusammen. Da er Zugang zu Bewerbungsakten hatte, habe er sich dort bedient. Er vervielfältigte die Dokumente und setzte seinen eigenen Namen ein. So kam er auch an den Doktortitel der Philosophie von der Universität Erlangen. Offenbar erfolgreich: Zwar bekam er auch Absagen, aber gleich an drei Einrichtungen hätte er sich vorstellen können. Neben einer Klinik an der Küste war auch eine Einrichtung in den neuen Bundesländern dabei. Entschieden hat er sich dann für Rees.
Verantworten muss er sich jetzt vor Amtsgericht Kleve wegen Betruges, Urkundenfälschung, Missbrauch von Berufsbezeichnungen sowie Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz.
Internet Weitere Berichte auch aktuell vom Prozess unter www.rp-online.de/emmerich
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