Haldern: Fingerzeig im Streitgespräch
VON WOLFGANG HOPPE - zuletzt aktualisiert: 09.09.2008Haldern (RPO). Anspruchsvolles Programm zum Jubiläum in Haldern. In der evangelischen Kirche setzten Vater und Sohn Spörkel einen theologischen Disput in Szene. Eingerahmt in ein „reeserviert“-Konzert.
In den Genuss einer Darbietung mit Seltenheitswert kamen die Besucher der evangelischen Kirche zum Jubiläum. Ole Spörkel in der Figur des Gotthold Ephraim Lessing, und Hans-Gerd Spörkel als Johann Melchior Goeze, seinerzeit Hamburger Hauptpastor, lieferten sich ein theologisches Streitgespräch. Es basierte auf dem so genannten „Fragmentenstreit“ von 1773, in dem sich der Dichter mit dem lutherischen Pastor in öffentlichen Briefen eine Kontroverse über theologische Schriften eines Gymnasialprofessors lieferte. Dieser hatte Teile der Bibel neu gedeutet und war im aufklärerischen Geist für eine „Vernunftreligion“ eingetreten. Der Streit gipfelte für Lessing in einem generellen Publikationsverbot für das Gebiet der Religion.
Gefördert
Der Abend gehörte zu den Veranstaltungen im Rahmen des 225-jährigen Bestehens der Kirche.
Das „reeserviert“-Konzert wurde von der Volksbank Emmerich-Rees gefördert.
Neben dem inhaltlichen Reiz der Episode war der Dialog von Vater und Sohn in den beiden Rollen ein zusätzlicher Aspekt. Der 27-jährige Ole Spörkel ist diplomierter Schauspieler und Mitglied im Ensemble des Theaters Ingolstadt. Er rezitierte außerdem szenische Lesungen zu Lessing, darunter zu dessen Haltung zur „Religionstoleranz“, erläutert anhand der „Ringparabel“ aus „Nathan der Weise“. Lessing lebte in der gleichen Zeit, in der die evangelische Kirche von Haldern entstand. Ein Anlass, das Gedankengut des Dichters für diesen Abend aufzugreifen.
Fast zur gleichen Zeit (1756-1791) war mit Wolfgang Amadeus Mozart ein Meister der Töne auf der Welt. Anja Speh am Flügel und das Kammerorchester Opus M, Leitung Heiner Frost, sorgten mit seiner Musik für den festlichen Rahmen. Zuerst spielte die gefragte Pianistin das Rondo D-Dur (KV 485) und die „Fantasie d-moll (KV 397) auf dem eigens für dieses Konzert herbei geschafften Flügel. Perlende Läufe und empfindsame Gestaltung waren die Merkmale ihres Vortrags. Höhepunkt des Abends war die Aufführung des Konzertes C-Dur für Klavier und Orchester (KV 415) aus dem Jahre 1783, gespielt in der „Kammerbesetzung“, ohne Bläser und Pauken. Es war eine brillante und für diesen Anlass bestens geeignete Darbietung, die mit nicht enden wollendem Beifall bedacht wurde. Als Zugabe spielte Anja Speh ein Rondo von Mozart.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



