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Rees: Geld kommt oft nicht bei Kindern an

zuletzt aktualisiert: 31.10.2009

Rees (RPO). Sachleistungen statt Betreuungsgeld. Dafür ist auch der Reeser Sozialamtsleiter Andreas Mai. Auf diese Weise würde wirklich etwas für die Kinder getan. Oft genug nämlich werde dieses Geld für den privaten Konsum der Eltern missbraucht.

 Foto: RPO
Foto: RPO

Sozialamtsleiter Andreas Mai ist nah dran an der Praxis. Im Gespräch mit RP-Redakteur Sebastian Latzel erläutert er seine Meinung zur aktuellen Diskussion.

Was halten Sie von dem Betreuungsgeld?

Mai Nicht viel. Hier bin ich der selben Ansicht wie beim Kindergeld. Dieses Geld kommt meiner Meinung nach oft gar nicht bei den Kindern an. Auch wenn es lange zurückliegt: Ich bin damals mit 50 Mark Kindergeld ausgekommen und frage mich immer wieder, ob wir mit der ständigen Steigerung dieser Summe tatsächlich eine Verbesserung für unsere Kinder erreichen. Wenn die Politik es wirklich ernst meint mit der Aussage, dass sie verstärkt in Bildung investieren will, hätte sie das Thema anders anpacken müssen.

Info

150 Euro monatlich

Die Koalition plant, allen Familien, die Kinder unter drei Jahren zuhause erziehen, ein Betreuungsgeld von 150 Euro monatlich zu zahlen.

Gelten soll die Regelung ab 2013.

Wie?

Mai Das Geld sollte direkt an die Bildungseinrichtungen fließen. Nehmen wir allein mal die jetzt geplante Erhöhung von 20 Euro beim Kindergeld. Bei rund 4500 Kindern bis 18 Jahren in Rees würde das bedeuten, dass 90 000 Euro für Bildung zur Verfügung stehen. Monatlich, versteht sich. Damit könnten wir eine Menge bewirken: Schulbücher wären kostenlos, kein Kopiergeld müsste bezahlt werden. Auch könnten die Beiträge für die Kindergärten abgeschafft werden. Die Betreuung in der Offenen Ganztagsschule könnte ausgebaut, das Mittagessen kostenlos angeboten werden. Dann würde das Geld wirklich den Kindern und zwar allen zugute kommen. Gleichzeitig werden die Eltern finanziell entlastet.

Sie glauben also auch, dass die Eltern teilweise das Geld gar nicht als Unterstützung für die Kinder ansehen?

Mai Kindergeld landet wie auch andere Einkünfte auf dem Girokonto und nach meiner langjährigen Erfahrung wird dann nicht näher differenziert und nicht selten wird dann das Kindergeld nicht im Sinne der Kinder ausgegeben. Da stimme ich den Äußerungen des Bezirksbürgermeisters Heinz Buschkowsky von Berlin-Neukölln voll zu. Der Mann hat einfach Recht. Er hat aber ebenso wie Herr Sarazzin das Thema mit zu provokanten Thesen angepackt. Das hat eine sachliche Diskussion in der Öffentlichkeit behindert.

Herr Buschkowsky spricht davon, dass der Missbrauch inzwischen der Regelfall sei.

Mai So weit würde ich nicht gehen, aber sicher ist es so, dass es sich dabei nicht um Einzelfälle handelt. Ich schätze, dass rd. ein Drittel der Berechtigten das Kindergeld nicht für die Kindererziehung einsetzen.

Sondern wofür?

Mai Für den eigenen Konsum. Zudem wird in der Diskussion um die Erhöhung des Kindergeldes eine entscheidende Tatsache oft übersehen. Hartz-IV Empfängern wird das Kindergeld vom Regelleistungssatz abgezogen. Real haben sie also gar keine Erhöhung. Da ist es dann oft auch kein Wunder, dass das Kindergeld eben nicht als Geld für die Kinder angesehen wird. Auch hier würde es helfen, die Erhöhung direkt in Bildungsangebote zu investieren.

Sie haben vor kurzem berichtet, dass bei ungelernten jungen Frauen der Babywunsch so etwas wie der Ersatz für eine Berufsausbildung ist.

Mai Diese Entwicklung habe ich tatsächlich beobachtet. Es ist einfach so, dass sich von den Bedarfssätzen recht gut leben lässt, wenn Kinder vorhanden sind. Dann ist es leider wirklich so, dass die Bereitschaft eine Ausbildung zu machen sinkt, wenn es kaum Aussichten gibt, im Beruf mehr Geld zu erzielen. Das führt dazu, dass manches junge Mädchen ein Baby als soziale Absicherung für die Zukunft ansieht. Auch hier ist viel Aufklärung nötig. Dazu gab es beispielsweise gerade ein Projekt im Bürgerhaus, das die Stärken der Jugendlichen zeigen soll. Gerade an diesem Beispiel wird deutlich, wie wichtig die direkte Investition in Bildung ist, damit alle Kinder und Jugendlichen, egal aus welcher Schicht kommend, die gleichen Chancen haben.

Quelle: RP

 
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