Emmerich: "Gott strafe mich, wenn ich lüge"
VON RALF DAUTE - zuletzt aktualisiert: 29.09.2011Emmerich (RP). Der Vergewaltigungsprozess vor dem Landgericht Kleve: Das Opfer Florina F. wurde per Videoschaltung befragt und blieb bei seiner Aussage: "Ich wurde vergewaltigt".
Florina F. hatte bereits mehr als vier Stunden allein mit einem Techniker in einem Gerichtssaal in der rumänischen Provinzstadt Alba Iulia verbracht und geduldig sämtliche Fragen der Richter, des Staatsanwalts und der vier Verteidiger beantwortet, als sie zum ersten Mal ein wenig pathetisch wurde: "Gott strafe mich, wenn ich lüge." Sagte sie die Wahrheit?
Lange hatte sich die 1. Große Strafkammer des Landgerichts unter Vorsitz von Richter Jürgen Ruby darum bemüht, mit dem mutmaßlichen Opfer einer mehrfachen Vergewaltigung in Kontakt zu treten, gestern nun war es mit Hilfe einer Videoschaltung nach Südosteuropa endlich möglich, die 19 Jahre alte Frau, die Mitte Januar in der Kirchstraße 19 in Kleve von vier Landsleuten zum Sex gezwungen worden sein soll, direkt zu befragen. Die Männer hatten als Leiharbeiter beim Zollamt am Parkring in Emmerich gearbeitet.
Die Schaltung nach Alba Iulia zeigte eine junge Frau mit langen, hinten zusammengebundenen schwarzen Haaren.
Sie trug einen dunklen Pullover und eine silberne Kette mit einem Kreuz. Während der ganzen Befragung stand sie an einem Pult, das Mikrofon vor ihr mit einem darunter gelegten Buch auf die richtige Höhe gebracht. Pausen lehnte sie ab – sie wollte es offensichtlich hinter sich bringen. Doch die Befragung gestaltete sich von Anfang schwierig: Zunächst war es Florina F. kaum möglich, die aus Kleve gestellten und gedolmetschten Fragen zu verstehen. Dann, nachdem die Technik justiert worden war, legte ausgerechnet ein Stromausfall die Schaltung für eine knappe Stunde lahm.
Mühevoll war die Vernehmung allerdings auch, weil Florina F. immer wieder mangelnde Erinnerung beklagte: "Ich weiß es nicht mehr." Doch im Kern blieb sie bei den belastenden Aussagen, die sie schon bei der Polizei und vor einem Vernehmungsrichter gemacht hatte: "Es ist zu sexuellen Übergriffen gekommen, und es waren die vier Angeklagten."
Es habe eine Vergewaltigung am Nachmittag mit zwei Tätern gegeben und eine weitere am Abend mit allen vieren. Was die Einzelheiten angeht, wurde Florinas Aussage jedoch oftmals verwirrend und lückenhaft.
Auch tauchte ein neues Rätsel auf: Schon bei einer früheren Verhandlung hatte Anwalt Joris Ernst die Frage aufgeworfen, ob der Freund des Opfers nicht in Wahrheit ihr Zuhälter gewesen sei.
Florina F. berichtete, der Hauptangeklagte Costinel L. habe ihrem Freund 700 Euro gegeben. So habe es ihr Bruder ihr in einem Telefonat erzählt.
Stimmt das? Und wenn ja, warum – ein neues, verstörendes Detail.
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