Rees: Granatsplitter flogen über den Deich
VON SEBASTIAN LATZEL - zuletzt aktualisiert: 23.05.2011 - 10:49Rees (RPO). Eine Fünf-Zentner-Bombe aus dem Weltkrieg ist bei Baggerarbeiten an der Wardstraße gefunden worden. Die Behörden ließen den Sprengkörper gezielt detonieren, informierten die Anwohner aber nicht. Die üben heftige Kritik an diesem Verhalten.
Karl van Uem saß vor dem Fernseher und schaute Günter Jauch, seine Freundin war nach draußen gegangen, um nach der Katze zu suchen. Da gab es plötzliche einen lauten Knall. "Ich bin zusammengezuckt, und die Katze ist meiner Freundin vom Arm gesprungen", berichtet van Uem, der sah, wie die Bäume neben dem Haus am Mühlensteg plötzlich zu Boden gedrückt wurden. Dann sah er eine Rauchwolke aufsteigen. "Ich habe gedacht, da ist was passiert. Da ist ein Hubschrauber abgestürzt oder ein Flugzeug." Der Reeser rief die Feuerwehr an und rannte in Badeschlappen über den Deich Richtung Rauchwolke. "Ich dachte, ich muss doch helfen."
"Situation falsch eingeschätzt"
Gezielt gezündet
Die Bombe war bei Baggerarbeiten in einer 4,5 Meter tiefen Grube an der Wardstraße gefunden worden.
Ordnungsamt, Polizei und Sprengmeister entschieden, sie gezielt zu zünden. Das geschah am Freitag um 20.30 Uhr.
Wardstraße und Rheinbrücke waren etwa für eine halbe Stunde gesperrt.
Der Knall war noch viele Kilometer weiter zu hören. Druckwelle und zentimeterlange Granatsplitter (Foto) sorgten für Schäden, Splitter wurden auch am Tennisplatz gefunden.
Statt eines abgestürzten Helikopters fand er ein Riesenloch, an dem ein Sprengmeister saß und den Reeser informierte, dass hier gerade eine Bombe gezielt gesprengt worden sei. Van Uem war völlig perplex. "Vor allem, weil niemand informiert wurde, das kann doch nicht sein." Der Reeser will sich gar nicht ausmalen, was alles hätte passieren können. Bei seinem Haus flog ein Bolzen am Wohnzimmerfenster aus der Verankerung. Zwei Granatsplitter zerschlugen sogar Dachpfannen. Am Deich fand van Uem zwei weitere, fast zehn Zentimeter lange Splitter. "Was wäre gewesen, wenn da jemand spazieren gegangen wäre?", fragt er kopfschüttelnd. Willi Beltermann vom Ordnungsamt machte sich bei ihm ein Bild von den Schäden und sicherte zu, dass die Stadt die Kosten übernimmt.
In Abstimmung mit Polizei und den Sprengmeistern der Bezirksregierung sei entschieden worden, die Bevölkerung nicht zu informieren. "Wir wollten keine Schaulustigen anlocken", sagt Beltermann.
Im so genannten "inneren Bereich" für eine solche Sprengung, der 250 Meter beträgt, habe kein Haus gestanden. Im weiteren Radius bis zu 500 Metern hätten Anwohner eigentlich informiert und darauf hingewiesen werden müssen im Haus zu bleiben. "Wir waren aber davon ausgegangen, dass die fehlende Entfernung dadurch kompensiert wird, dass die Bombe in einem vier Meter tiefen Loch lag und der Deich zwischen Sprengkörper und Häusern liegt", sagte Beltermann. Im Nachhinein habe man die Situation wohl falsch eingeschätzt. "Wir sollten dann auch das Rückgrat haben, zu sagen, dass hier was falsch gelaufen ist. Ganz klar: Es hätte eine Information der Anwohner geben müssen. In einem ähnlichen Fall würden wir uns sicher anders verhalten."
Problem sei allerdings gewesen, dass der Baggerfahrer die Bombe bereits bewegt hätte. Bei dem tückischen Säurezünder habe die Gefahr bestanden, dass die Bombe detoniert. Daher habe man schnell handeln müssen und sich dafür entschieden, keine Anwohner zu informieren. Auf jeden Fall werde die Angelegenheit im Rathaus noch genau analysiert.
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