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Tatort der Ermordung Gülsüm Semin
  Foto: Andreas Endermann
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Rees: Gülsüm: Ein Jahr nach dem Ehrenmord

VON SEBASTIAN LATZEL - zuletzt aktualisiert: 01.03.2010 - 19:26

Der brutale Mord an der jungen Gülsüm hat über Monate das Leben in Rees mit geprägt. Am Dienstag, 2. März, genau vor einem Jahr geschah die Tat. Betroffene erinnern sich zurück.

Auch nach dem heftigen Sturm Cynthia am Wochenende wirkt die kleine Gedenkstätte gepflegt. Eine Kerze brennt, daneben hängen Fotos von Gülsüm. Mit Folie gegen Regen und Witterung geschützt. Frische Blumen schmücken die Stelle, an der Gülsüm heute vor einem Jahr ermordet wurde. Janis Titzas und ihr Vater kommen regelmäßig zu diesem Ort. Sie bringen frische Blumen und eine neue Kerze. „So halten wir die Erinnerung an Gülsüm wach, denn in der Türkei hat sie doch gar kein richtiges Grab”, sagt Janis Titzas, die mit Gülsüm in eine Klasse ging und eng mit ihr befreundet war.

Nach der Tat habe sie viele Wochen nachts nicht schlafen können, berichtet sie. „Das hat sich inzwischen gebessert, schließlich ist der Mord ja auch schon ein Jahr her”, sagt die junge Frau, die in einem Umschlag viele Fotos gesammelt hat, die sie von ihrer Freundin gemacht hat. Zum Jahrestag ihres Todes hat sie extra Bilder herausgesucht, die bisher noch nicht veröffentlicht wurden.

Info
Warten auf Urteil

Erst ein Urteil in dem Prozess ist rechtskräftig. Der Bruder von Gülsüm muss für 9,5 Jahre hinter Gitter. Das Gericht verurteilte den Vater zu lebenslänglicher Haft, den mitangeklagten Russen zu 7,5 Jahren. Gegen diese Urteile haben dien Anwälte Revision eingelegt. Bisher liegen die schriftlichen Begründungen den Anwälten noch nicht vor. Erst danach können die Juristen ihre konkreten Stellungnahmen verfassen, die dann an den Bundesgerichtshof gehen, der prüft, ob das Verfahren neu aufgerollt werden muss. Das kann noch dauern.

Immer fröhlich

Ihre Freundin sei immer fröhlich gewesen, habe viele Pläne gehabt, erzählt Janis Zitzas. Auch ein Kind habe sich Gülsüm gewünscht, meint ihre Freundin, die den Prozess in den Medien verfolgt hat. Zur Verhandlung selbst ist sie nicht gefahren. „Das habe ich nicht geschafft”, sagt sie. Das Urteil ist für sie kein gerechtes. „Der Vater müsste für immer hinter Gittern, so kann er ja nach 15 Jahren wieder aus dem Gefängnis.” Das Landgericht verurteilte den Vater von Gülsüm zu lebenslänglicher Haft. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig. Der Anwalt will eine Aufhebung erreichen, der Staatsanwalt eine Verschärfung der Strafe, so dass keine vorzeitige Entlassung möglich wäre. „Das wäre eine richtige Strafe”, meint Janis Titzas, die auch am Todestag den Platz in Groin besuchen will. „Denn das ist schon ein besonderer Tag für mich”, sagt sie.

Franz-Josef Streuff fand die Leiche vor einem Jahr.  Foto: Andreas Endermann
Franz-Josef Streuff fand die Leiche vor einem Jahr. Foto: Andreas Endermann

„Ich hoffe, dass der Dienstag ein Tag wie jeder andere für mich wird”, sagt dagegen Franz-Josef Streuff. Der Landwirt hatte die Leiche von Gülsüm vor einem Jahr zwei Tage nach der Tat gefunden. Hätte er nicht zufällig die Stelle passiert wäre die junge Kurdin wohl erst viel später gefunden worden und viele Spuren verwischt gewesen. Da Streuff in der Nähe wohnt, kommt er immer noch recht regelmäßig am Tatort vorbei. „Ich bin heute noch froh, dass ich die Leiche gefunden habe und nicht ein Kind”, sagt der Landwirt, der froh ist, dass das Urteil gesprochen ist.

Ein ganz besonderes Jahr waren die letzten zwölf Monate auch für Andreas Mai. Der Reeser Sozialamtsleiter und Kämmerer war so etwas wie das öffentliche Gesicht der Stadtverwaltung in dem Verfahren. Er gab viele Interviews, auch im Fernsehen, und nötigte vielen Respekt für seine couragierten Statements auch in heiklen Sachlagen ab. „Das war schon ein außerordentliches Jahr, das sicher auch Spuren hinterlassen hat”, sagt Mai. Er hofft, dass das Urteil auch ein Fingerzeig in ähnlichen Fällen ist. „Ich bin der Überzeugung, dass das Urteil gerecht ist”, sagt er. Auch das eine klare Aussage.

Fotos
 Foto: Andreas Endermann
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