Kleve/Rees: Gülsüm: Weitere Zeugen werden gehört
VON RALF DAUTE - zuletzt aktualisiert: 16.11.2009 - 17:56Kleve/Rees (RPO). Der Prozess um den Mord an der jungen Kurdin Gülsüm S. sorgt weiter für Aufsehen. Schon jetzt steht fest, dass es ein Indizien-Prozess werden wird, bei dem es auf jede Kleinigkeit ankommen kann. Heute wurden die Zeugen vernommen. Wir berichten aktuell von dem Prozess.
16 Uhr: Zu Klärung weiterer Details schließt der Richter die Öffentlichkeit aus.
14.20 Uhr: Die neunte und letzte Zeugin des Tages wird in den Zeugenstand gerufen. Es ist Monique. Zum Tatzeitpunkt die Freundin von Davut.
Sie war zwei Jahre mit ihm zusammen, nun nicht mehr - "ja, wie denn?" Davut sitzt seit sieben Monaten in Haft.
Zum Zeitpunkt der Tat sagt sie, dass sie am Sonntag, dem Tag vor Gülsüms Tod, mit Davut zusammen gewesen sei. Doch dann erhält ihr Freund einen Anruf. Es gebe Stress mit Verwandten aus Hannover, sie seien bei seiner Familie zu Besuch, er müsse sofort dorthin und die Sache klären.
Es ist die erste Version, die sie zu hören bekommt. Als sie von Gülsüms Schwester erfährt, dass Familie S. am Sonntag Abend keinen Besuch empfangen habe, gesteht er die Lüge und sagt, in Wahrheit habe er sich um einen Arbeitsplatz bemüht und sie damit überraschen wollen. Aber auch diese Geschichte entsprach nicht der Wahrheit, denn kurze Zeit später erfährt sie von Davut: „Ich war am Rhein und habe nachgedacht.“
Version Nummer 3 hat aber auch nicht lange Bestand, später berichtet Davut nämlich seiner beharrlich nachfragenden Freundin („ich habe das gemerkt, wenn er lügt“), er habe versucht, seine Schwester zu erreichen. Von da an gibt es nur noch schriftliche Korrespondenz mit dem seitdem in Untersuchungshaft sitzenden Davut.
13.30 Uhr: Gülsüms Freundin S. hat mittlerweile ausgesagt. Die Madchen kennen sich seit der Grundschule. S. berichtet, der Vater habe Gülsüms Beziehung zu dem Albaner akzeptiert. Er habe auch von der Abtreibung gewusst und dies ebenfalls akzeptiert. Staunen im Publikum (15 Zuschauer sind noch da, die Fernsehteams haben sich längst verabschiedet).
Sie berichtet aber auch, dass eine Freundin ihr erzählt habe, der Vater S. habe seine Töchter mit einem Staubsaugerrohr geschlagen. Yusuf S. hört regungslos zu.
12.40 Uhr: Mittagspause. Um 13.30 Uhr wird die Verhandlung fortgesetzt.
12.30 Uhr: Kurzes Intermezzo: Richter Henckel lässt zu den Akten nehmen, dass die Kammer für die Fahrtzeit zwischen Neustraße (Wohnort Davut) und Asylbewerberheim nicht weniger als 2,5 Minuten annehmen werde - gut für den Angeklagten Miro, da es Diskrepanzen mit den Verbindungsdaten gibt.
12.01 Uhr: Beim siebten Zeugen, einem langjährigen Bewohner des Asylbewerberheims, platzt Richter Henckel erstmals der Kragen: "Sie lügen uns hier etwas vor", schreit er. Es geht um die Frage, wann er nach der Tat erstmals einen der beiden Angeklagten wieder getroffen hat. Doch zu der entscheidenden Frage, ob er Kleidung von Miro und Davut beiseite geschafft habe, sagt er auch nach mehrmaligem Nachfragen: "Nein, das stimmt nicht."
11.34 Uhr: Der sechste Zeuge, eine Spiehallenaufsicht, erkennt Davut und Miro. Der Russe habe ab und an fünf bis zeh Euro verspielt, nur einmal habe er 100 Euro wechseln lassen. In dem Zeitraum um die Tat, genauer weiß sie es nicht mehr.
11.12 Uhr: Es folgt der Auftritt des fünften Zeugen: Ein Kfz-Mechaniker (28) erinnert sich, wie er zwei Tage nach der Tat den "stark verschmutzten" 3er BMW von Davut habe säubern sollen. Welcher Schmutz? "Blätter, Modder."
10.45 Uhr: Laut auswertung der Handydaten gab es die fraglichen Kontakte schon am Tattag. Der Zeuge, der sehr wortkarg ist und nur gebrochen deutsch spricht, sagt, er habe Gülsüm heiraten wollen: "Als ich gehört habe, dass sie verlobt war, war das für mich erledigt."
10.20 Uhr: Der vierte Zeuge in der ersten Stunde - ein Mitbewohner des Übergangsheims und Ex-Kollege von Davut in einer Pizzeria. Es geht um 100 Euro, die er Davut geliehen und am 3. März, dem Tag nach der Tat, zurückerhalten haben will. Gesprächsdaten werden abgefragt.
10.13: Zeugin Nummer drei ist die Aufsicht in der Spielhalle. Sie skizziert den Grundriss und sagt, dass Miro dort häufiger gespielt hat.
10.07 Uhr: Der zweite Zeuge ist ein Kripobeamter. Er schildert, wie er bei einer Befragung von Miro M. die Jacke entdeckte, an der ein Knopf fehlte. Außerdem befragte er den Heiratskandidaten, den die Familie für Gülsüm ausgeguckt hatte - doch die Familie wollte nicht kooperieren, da sie Verstöße gegen das Ausländergesetz begangen hatte.
9.50 Uhr: Als erster sagt der Hausmeister des Übergangswohnheims aus. Familie S. bewohnte dort vier Zimmer. Er sagt, er habe nie Probleme mit der Familie gehabt, aber "der Vater war sehr streng, sehr dominant". in den Wochen vor der Tat habe der Bruder Davut S. häufiger den ebenfalls dort wohnenden Miro M. besucht.
Davut wohnte da schon nicht mehr in dem Heim. "Die beiden waren Kumpel", so der Zeuge. Über den Angeklagten Miro sagt der Hausmeister: "Er war immer höflich, aber er hatte Probleme - viel Trinkerei."
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