Emmerich: Hoffnung auf gerechtes Urteil
VON GUIDO SCHWARTGES - zuletzt aktualisiert: 08.08.2009Emmerich (RPO). Der Prozess gegen die deutsch-türkischen Geschwister, durch die im September 2008 zwei Motorradfahrer starben, ging gestern weiter. Verfahren gegen Fatma O. eingestellt. Urteil gegen den Bruder wird am Dienstag gefällt.
Kleve/emmerich Das Landgericht Kleve hat gestern bereits eine Vorentscheidung im Prozess gegen die Geschwister Fatma und Osman O. getroffen. Der Vorsitzende hatte angeregt, das Verfahren gegen die junge Frau wegen zu geringer Schuld einzustellen. Zuvor hatten die Kraftfahrzeug-Gutachter Guido Plum und Manfred Becke dargelegt, dass Fatma O. es problemlos geschafft hätte, ihren Überholvorgang zu beenden und vor den entgegen kommenden Motorrädern auf ihre Fahrbahn zu schwenken, wäre sie nicht vom nachfolgenden Auto ihres Bruders gestreift worden.
Wie berichtet, waren im Herbst 2008 zwei niederländische Motorradfahrer bei einer Kollision unmittelbar vor der Emmericher Rheinbrücke ums Leben gekommen. Sie stießen mit den Autos der Angeklagten zusammen, die sich nach einem Familienstreit eine Verfolgungsjagd lieferten.
Ende des Verfahrens
Das Urteil gegen Osman O. wird für Dienstagmittag erwartet. Der Strafrahmen nach Erwachsenenstrafrecht sieht laut Staatsanwalt bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe vor. Gefordert hat er die Hälfte – zwei Jahre und sechs Monate.
Der Verteidiger O.'s fordert wegen des familiären Hintergrundes des 21-jährigen Angeklagten eine Strafe nach Jugendstrafrecht.
Strafe ohne Bewährung gefordert
Fatma O. wurde die Auflage gemacht, 300 Euro an den Malteser Hilfsdienst zu spenden. Danach verließ die junge Frau unter dem Raunen der niederländischen Prozessbeobachter die Anklagebank, blieb aber im Saal. Gegen ihren Bruder Osman O. wird das Urteil am Dienstag gefällt. Staatsanwalt und Verteidiger hielten bereits ihre Plädoyers. Der Staatsanwalt forderte eine Strafe von zwei Jahren und sechs Monaten ohne Bewährung. Darüber hinaus solle sein Führerschein für mindestens zwei Jahre eingezogen werden.
Für eine zumindest geringe Genugtuung bei den Angehörigen der beiden beim Unfall getöteten niederländischen Motorradfahrer sorgte die Feststellung, dass sie keine Mitschuld treffe. Auch dies hatten die Gutachter zuvor festgestellt.
Wutentbrannt verließen zwei der niederländischen Prozessbesucher türenschlagend den Saal, als der Verteidiger Osman O.'s versuchte, die Schwere des Vergehens zu mildern. Die Betroffenheit der Angehörigen sei eine verständliche, menschliche Reaktion, aber die Aufgabe des Gerichts sei eine sachliche Klärung des Vorfalls. In seinem Schlusswort sprach Osman O. endlich das Bedauern über den schrecklichen Ausgang der Verfolgung aus, auf das die Angehörigen so lange gewartet hatten. Weitergehende Stellung wollte er aber nicht nehmen. Danach lagen sich die Geschwister schluchzend in den Armen.
Jolita Driessen, die Freundin des einen toten Motorradfahrers bekam zum Prozessende die erhoffte Gelegenheit, zu erzählen, was Frank Fleuren für ein Mensch gewesen ist. Dabei wollte sie dem Täter in die Augen schauen, ins Gesicht ihres Freundes könne sie nie mehr blicken. Jetzt hofft sie auf ein "angemessenes" Urteil der Richter.
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